Achtsamkeit // Die eigene Wohngegend mit anderen Augen betrachten

…stand auf dem Zettel, den ich vor ein paar Tagen aus meinem Gläschen mit den Vorsätzen für das Jahr 2018 heraus gezogen hatte. Diese Idee hatte ich schon lange auf meiner Liste, wurde aber noch nie in Angriff genommen. Gestern war es dann also soweit, dank der getippten Vorsätze im Glas.

Soll ich ehrlich sein? Eine Stadt neu zu entdecken ist in meinen Augen spannender als durch ein Dorf zu laufen und sich vorzustellen ein Tourist zu sein. Es sei denn, es handelt sich idealerweise um ein fremdes Dorf. Wenn es nach mir ginge, würde ich mir dafür ein richtig hübsches Dörfchen aussuchen, wie z. B. Gangi in Sizilien, aber ich schweife ab.

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In einer Stadt gibt es einfach mehr Möglichkeiten. Es gibt mit Sicherheit ein Museum oder eine Gallerie das man noch nie besucht hat, diverse Shops, vielleicht Cafés oder auch einen Park, in dem man noch nie gewesen war. Und Unterwegs zum Ziel gibt es auch eine Menge zu sehen und zu entdecken.

Ein Dorf ist im Vergleich weniger aufregend. Also mir persönlich geht das so, und es fiel mir gestern auch wirklich schwerer als gedacht, mein Wohnort plötzlich mit neuen Augen zu betrachten. Sicherlich, weil wir unsere Spazierstrecke schon etliche Male zu Fuß erkundet hatten. Ich hätte mich vielleicht auf die Wege beschränken sollen, durch die wir bisher im Dorf noch nie gelaufen waren. Hmmm…gibt es überhaupt welche? Da muss ich nun grübeln…

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Also versuchte ich während unseres Spaziergangs auf Details oder Besonderheiten zu achten, die uns unterwegs erwarteten. Achtsam sein also. Einst als Esoterik-Zeugs verpönt, stolpert man heute beinahe in jedem angesagten Magazin oder Zeitschrift darüber. Lustig…

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Nicht zu wissen, was uns am Ende des Weges erwartet…

Aber genau das ist es was mir so schwer fällt, wenn ich mich in einer vertrauten Umgebung befinde. Irgendwie ist man immer mit den Alltagsdingen im Kopf beschäftigt wenn Routine herrscht und man meint, man kann jetzt abschalten.

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Wenn ich ein winziger Käfer wäre…

Just fliegt da der Gedanke vorbei, was man denn zu Abend kochen könnte. Dann die Erinnerung, dass das Päckchen endlich zur Post muss, dass man vor zwei Tagen versandfertig im Flur abgestellt hat. Plötzlich, durchbohrt ein anderer Gedanke wie ein Papierflieger die vorherigen Erinnerungswolken durcheinander und lässt sie verpuffen: „Rufe Mutter an, ihr ging es gestern nicht so gut!“, tönt es im Kopf.

…Oh, ein Auto kommt! Schnell das Kind in Sicherheit bringen! Ach ja, wo waren wir gleich stehen geblieben…?

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Mit viel Fantasie wirkt der Schnee wie eine Gebirgskette

Achtsamkeit ist für mich vergleichbar mit Meditation. Man muss die Gedanken ausblenden und sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Mit einem Kleinkind alleine unterwegs, geht das weniger gut.

Also habe ich versucht die Umgebung mit den Augen meines Kindes zu betrachten. So bin ich ganz bei ihr und bei dem was sie währen des Spaziergangs so für sich entdeckt. Und das war spannender als gedacht.

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Plötzlich die Sehnsucht verspüren auf der anderen Seite des Zaunes sein zu wollen

Die seltsame Krümmung des Zweiges, den wir am Wegesrand gefunden hatten. Das verwelkte Blatt, auf dem überall merkwürdige kleine Pünktchen zu sehen waren, die sich so hubbelig angefühlt haben als wir sie mit dem Finger berührt haben, so dass man sich schütteln musste. Der komische Matschfleck am parkenden Auto, der so aussah wie ein Hasenohr…

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Was wäre, wenn das Gebäude im Hintergrund eine Ritterburg wäre…?

Wann haben wir Erwachsenen es verlernt die Wunder des Lebens bewusst wahrzunehmen? Wie ein Kind, so richtig mit allen Sinnen, mit Interesse und einem offenen Herzen. Wann ist das nur passiert?

Ich habe jedenfalls diesen einen Vorsatz auf dem Zettel erfüllt. Vielleicht weniger erfolgreich als Gedacht, aber ich habe beschlossen in Zukunft viel öfter „aufmerksame“ Spaziergänge zu machen.

Wann habt ihr zuletzt euren Alltag bewusst mit anderen Augen betrachtet?

Macht es euch kuschelig und bis ganz bald,
Signatur_frzuckerbroetchen

Verfasst von

Hallo, schön dass du hier bist. Hier findest du Freebies von meinen Designs, ein paar Reiseerlebnisse und noch allerlei andere Dinge die mich im Alltag beschäftigen, mich bewegen, begeistern, inspirieren und zum Selbermachen anregen. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei. Würde mich freuen!

17 Kommentare zu „Achtsamkeit // Die eigene Wohngegend mit anderen Augen betrachten

  1. Ein sehr schöner Artikel, den ich mit großer Aufmerksamkeit gelesen habe. Ich beschäftige mich selbst oft mit Details aus meiner Heimatstadt und überlege dann bei meinen Touren durch Pirmasens, über was ich wohl das nächste Mal schreibe. Derzeit denke ich über die Skulpturen auf den Kreisverkehrsinsel nach. Aber hierzu fehlt mir momentan noch das Hintergrundwissen. Mal sehen!

    1. Oh, vielen Dank! 😊
      Ich finde es toll was du machst! Pirmasens soll es ja seit 860 geben, wenn der Eintrag im Wiki stimmt. Die Stadt hat sicherlich noch sehr viel zu erzählen. 😃
      Ich bin schon gespannt auf deinen Bericht!

      Viele Grüße! 🙋🏻‍♀️

  2. Also ich dann dir hier nur zustimmen. Ich wohne ja auch auf dem Dorf ( zwischenzeitlich über 20 Jahre) und kenn jeden Weg durchs Dorf und ums Dorf. Egal ob im Sommer Herbst oder Winter ! Habe schon gar keine Lust mehr diese Wege zu gehen und zu entdecken gibt es da bestimmt nicht mehr viel, außer es wird am Ortsrand mal wieder ein Neubaugebiet erschlossen oder im Industriegebiet siedeln sich neue Firmen an. Das war es dann aber auch ! Ich tendiere immer zu neuen Wegen und die müssen auch nicht sonderlich weit weg sein. Aber auch da wird es mit der Auswahl langsam immer enger !!!! LG Manni

  3. ich finde, das ist echt eine super und wunderbare idee. klar ist es in einer stadt leichter, neues zu entdecken – gleichzeitig muss das gar nix mit achtsamkeit zu tun haben. es ist viel eher das, was du schreibst. bekanntes mit anderen augen sehen. auf die wirklich kleinen details achten.

  4. Eine schöne Anregung, wirklich. Und dass dir das schwer gefallen ist, kann ich absolut nachvollziehen, und das obwohl ich in einer Stadt wohne. Mir würde es dennoch so gehen, ich kann meine Gedanken, das Organisieren, nicht abschalten.

    Kinderaugen sind eben Kinderaugen und nicht Erwachsenenaugen. Es ist so, es gehört dazu und ist normal. Umso schöner, wenn man doch mal auf die Idee kommt, „umzuswitchen“ und sich (auch wenn man sich zwingen muss), ins Kind hineinzuversetzen. 🙂

  5. das sind echt super Spannende Perspektiven und Linien in deinen Bildern, die ihnen eine absolut tolle Dynamik verleihen. Echt großartig. Eine wundervolle Anregung Dinge in seiner nächsten Umgebung zu entdecken. Tolle Arbeit!!!
    Liebe Grüße

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