Die USS-COD // Cleveland Sept. 2017

Hallo ihr Lieben, nach wieder einmal etwas längeren Blog-Pause, melde ich mich heute wieder zurück um euch diesmal virtuell in die USA zu entführen. Und zwar geht es nach Cleveland, Ohio. Ich zeige euch ein paar Eindrücke von unserem Besuch des stolzen Unterseebootes USS Cod (SS-224). An diesem Tag waren wir eigentlich wegen der Rock & Roll Hall of Fame (Bericht folgt bald) an den Hafen von Cleveland angereist, aber als wir vor Ort feststellten, dass man lediglich ein paar Meter weiter ein echtes U-Boot besichtigen kann, mussten wir natürlich hin. Mal ehrlich, wie oft bekommt man als Normalsterblicher die Chance ein U-Boot zu besichtigen, wenn man natürlich nicht zufällig um die Ecke einer solchen Sehenswürdigkeit wohnt?

Für uns erwies sich das als perfekt, denn wir waren am Abend zuvor erst von Chicago angereist und wollten in Cleveland lediglich einen Zwischenstopp einlegen, bevor es am nächsten Tag weiter nach New York gehen sollte. So konnten wir gleich zwei der großen Sehenswürdigkeiten Clevelands nacheinander abklappern, ohne dabei wertvolle Zeit zu verlieren.

Das Boot zu besuchen war im Übrigen mein Wunsch, denn obwohl ich gegen jegliche Arten von Krieg bin, faszinieren mich Orte und Objekte mit Geschichte sehr. Nun würde ich tatsächlich ein echtes U-Boot besichtigen. Ein aufregender Moment. Natürlich war der Gedanke dabei stets präsent, dass mit Hilfe dieses Schiffes, etliche feindliche Flotten zerstört worden und viele Soldaten dabei ihr Leben verloren hatten.

Nachdem man Eintritt an einem der kleinen Häusschen, direkt am Eingang des Grundstücks bezahlt hat, geht es über eine Rampe hoch auf das Deck des U-Bootes. Es fühlt sich gigantisch an. Man läuft an diesem gewaltigen Turm (oder Brücke) vorbei und stellt fest, dass er riesiger ist, als von Weitem angenommen. In der Mitte steht ein Wunder der Technik für die damalige Zeit: ein Mark 40 5-Zoll-Deckgeschütz. Seltsamerweise war das Töchterchen total fasziniert davon. Aber wen wundert es, der Sitz hat durchaus etwas von einem Fahrgestell.

Das Wetter war gigantisch und die Luft hier schön mild und angenehm. Man konnte weit hinaus auf den See und den Hafen blicken. Soll ich wirklich schon hinunter in die Dunkelheit, fragte ich mich kurz. Würde gerne noch ein paar Minuten hier oben stehen und dieses Gefühl und den Anblick genießen. Doch dann wollten Tochter und Mann unbedingt die Treppenstufen nach unten klettern, um das Boot endlich zu erkunden. Also gut, es ging abwärts in die Dunkelheit. Zum Glück leide ich nicht unter Klaustrophobie.

Wenn man wie ich, etliche Filme mit Szenen in einem U-Boot gesehen hat (ich denke dabei auch an den Film „Das Boot“ mit Herbert Grönemeyer), hat man eine ungefähre Vorstellung was einem im Inneren eines U-Bootes erwarten könnte, aber die USS Cod in Cleveland, hat mich schwer begeistert. Dieses faszinierende Stück Geschichte aus dem 2. Weltkrieg, ist wahrlich eine Zeitreise 75 Jahre zurück in die Vergangenheit. Das Gefühl, dass einem im Inneren überkommt, ist schwer zu beschreiben. Von bedrückend (weil dunkel und beengt) bis großartig, weil jedes Detail ein Original ist und noch sehr gut erhalten. Und man kann nachfühlen, wie es für die Matrosen damals gewesen sein muss, tagelang eingepfercht in dieser engen und dunklen Röhre festzusitzen.

Der vordere Torpedo-Raum des USS-COD

Wenn man die Stufen zum U-Boot hinabgestiegen ist, befindet man sich im vorderen Torpedo-Raum. Später hab ich erfahren, dass dieser Bereich auch gleichzeitig als Liegeplatz für 15 Besatzungsmitglieder diente. Er wurde stets dunkel gehalten, aus Rücksicht auf die schlafenden Besatzungsmitglieder, und lediglich von ein paar roten Lichtern beleuchtet. Im Übrigen waren die vorderen und hinteren Torpedoräume bevorzugte Schlafräume für die Mannschaft, da diese Bereiche keinen Durchgangsverkehr ausgesetzt waren. Außerdem war es hier leiser und kühler als im mittleren Teil des Bootes.

Die meisten Kojen sind hier in den Zwischenräumen der gelagerten Torpedos montiert. Quelle, und weitere interessante Fakten: http://www.usscod.org/

Die Koje ganz oben ist vermutlich das „Penthouse“. So wurde es von der Besatzung genannt Hier bekam man zusätzliche Kopffreiheit durch die Torpedoladeklappe.

Mein Mann übernahm schnell die Aufsicht des Töchterchens, so dass ich aller in Ruhe Fotos machen konnte. Das Kind war überraschend fasziniert von dieser Besichtigung. Ich hatte eher gedacht, dass sie sich langweilen und quengelig verhalten würde. Eine U-Boot Besichtigung finden wohl auch Kinder unter 5 Jahren ziemlich spannend.

Im Übrigen war ich wieder zu Faul. Ich habe meine gute Kamera im Auto gelassen. Ich schleppe ungern zusätzliches Gewicht mit mir herum, wenn die Temperaturen die 28 Grad-Marke erreichen, und an diesem Tag waren es über 30 Grad (obwohl ich mich zugegeben jedesmal darüber ärgere). Also musste wieder einmal mein Smartphone herhalten. Seht also darüber hinweg, wenn die Fotos trotz Nachtmodus, teilweise etwas grisselig geworden sind. Einige Bereiche sind etwas dunkel hier unten im Boot.

Im Torpedo-Raum befindet sich eine besondere Toilette. Und zwar handelt es sich um eine Luftausstoßtoilette, oder so ähnlich. Sie spült die Exkremente mit einer 25-Pfund (ca. 1.724 Bar)-Druckluft vom Bord. Doch diese Technik hat ihre Tücken. Wenn der Insasse die Ventile nicht korrekt eingestellt hatte, konnte er eine unangenehme Überraschung erleben. Ihr könnt es euch also denken, wenn ich euch nun verrate, dass man dies Überraschung als "Taufe" oder "Schokoladenstückchen" bezeichnet hat...Böäh...igitt! Die ursprüngliche Sichtschutztür aus Metall wurde durch Plexiglas ersetzt, damit die Besuchern eine Sicht darauf werfen können. 

Die Offiziers-Quartiere

Nachdem man die erste von insgesamt sieben wasserdichten Türen passiert hat, erreicht man die Offiziers-Quartiere. Es ist heller hier. Faszinierend sind vor allem die Gegenstände des alltäglichen Lebens der Matrosen aus den 1940er Jahren. Es schaut hier erstaunlich bewohnt aus, als könnte jederzeit ein Matrose irgendwo auftauchen. Zudem fühlt man sich an einigen Stellen seltsam beobachtet, trotz dass wir drei die einzigen Besucher des Abteils sind. Ein älteres Paar ist längst im hinteren Bereich des U-Bootes verschwunden. Im Übrigen ist das U-Boot kaum von Besuchern frequentiert, was die Besichtigung sehr angenehm macht. Man kann sich ganz in Ruhe umsehen.

Jede Kabine verfügt hier über ein zusammenklappbares Waschbecken, einen Medizinschrank, einen Schreibtisch und sonstiges Mobiliar, eine rote Glühlampe (für die Sicht in der Nacht) und neben anderen Gegenständen auch einen Sichtschutzvorhang, der gegenüber der Türe angebracht ist.

Außerdem gibt es hier eine kleine Speisekammer und einen Aufenthaltsraum. Die Offiziere hatten – man höre und staune – eigens für sie zuständige Stewards, die nicht nur ihre Kojen in Ordnung hielten, sondern ihnen auch die in der Hauptküche zubereiteten Speisen, im Aufenthaltsraum servierten. Man aß also auch getrennt vom Rest der Besatzung.

In der Kabine des Kaptäns. Auf der Liege ist ein gestreifter Schlafanzug zu sehen. Die Geschichte dahinter: Nachts schlief der Kapitän auch mal im Kommandoraum, damit er allzeit bereit war, falls ein Angriff stattfinden sollte. Eines Nachts war es dann soweit. Als er durch das Periskop das feindliche Schiff anvisierte, stellte die Besatzung fest, dass er Nackt war. Wegen der Hitze im Kommandoraum hatte er ohne Kleidung geschlafen. Man brachte ihm schnell einen gestreiften Schlafanzug.

Der Kontrollraum

Dieses Abteil ist das Herz des U-Bootes. Es besitzt zwei großen Messingräder auf der Backbordseite (oben im Bild links), und zwei kleine Griffe zwischen den Rädern. Die Tiefenmesser und die Messgeräte zum Auslesen der Winkel des Bootes, wurden von zwei Männern bedient. Sie arbeiteten als Team, um die Tiefe des U-Bootes während der Tauchgänge zu kontrollieren. Das dunkle Bedienfeld im linken Bereich (Bild links) mit den vielen roten und grünen Anzeigelampen, wurde auch als „Weihnachtsbaum“ bezeichnet. Durch Ziehen der Hebel, öffnen sich die Lüftungsschlitze oben an den Ballasttanks, was dazu führt, dass die belüfteten Tanks mit Wasser geflutet werden. Dadurch verliert das U-Boot Auftrieb und taucht ab. Quelle: www.usscod.org/

Die Funkzentrale des USS COD

Für mich war dieser Raum besonders interessant, denn er war zur damaligen Zeit die wohl spannendste und wichtigste Informationsstätte was Nachrichten aus „der Außenwelt“ betraf. Bestimmt wurden auch im USS COD, sämtliche Botschaften mithilfe kurzer Codes verschlüsselt übermittelt. Kurz deshalb, weil jederzeit die Gefahr bestand geortet und entdeckt zu werden wenn die Nachrichten zu lang ausfielen. Im Zweiten Weltkrieg wurde zur Geheimhaltung in den deutschen U-Booten allgemein bekannt die Schlüsselmaschine Enigma verwendet. Zu dieser gab es ein Kurzsignalheft mit entsprechenden Codes. Die USS COD verwendete für die Nachrichtenübermittlung die ECM Mark II.

Dieser Raum ist nicht begehbar. Die Sicht wird durch eine Plexiglasscheibe weitestgehend ermöglicht.

Die Küche und die Aufenthaltsräume der Besatzung

An den vier langen Tischen des Abteils konnten 24 Männer gleichzeitig bedient werden. Und das immer mehrfach für jede Mahlzeit und die Köche waren rund um die Uhr beschäftigt. Unterhalb der Bodens befindet sich hier ein Kühlfach, in dem sich etwa eine Tonne gefrorenes Fleisch befand, und ein Munitionsfach, dass gelegentlich als Gefängnis für die aus dem Meer gerettete japanische Kriegsgefangene diente. Zudem besaß die USS COD einige solcher Speisekammern und sogar eine Eismaschine, die den Besatzungsmitgliedern, die in den sehr warmen Bereichen des U-Bootes arbeiteten, in denen die Temperaturen häufig 48 Grad und mehr erreichten, eine willkommene Erfrischung bot. Quelle: usscod.org/

Bei den Schlafkojen

Der Waschraum

Im Steuerraum

Wie alle U-Boote der US Navy aus dem 2. Weltkireg, wurde auch die USS-COD von Elektromotoren angetrieben. Die zum Betreiben benötigte Energie wurde von Dieselmotor-Generatoren und von großen elektrischen Batterien geliefert. Im Steuerraum regelten die diensthabenden Elektriker die Stromquelle und die Geschwindigkeit des U-Bootes mit den silbernen Hebeln und an den verschiedenen Bedienelementen und Messgeräten, die sich auf dem Bedienfeld über den Hebeln befinden. Von hier aus steuerte man auch die Drehzahl der Dieselmotoren. 

Der hintere Torpedoraum

Das letzte Abteil besitzt neben vier weiteren Torpedorohren, noch weitere 12 Kojen für die Besatzung. Die technischen Funktionen und die Ausstattung dieses Abteils lasse ich mal weg. Wer sich dennoch dafür interessiert, der kann sich auf der offiziellen Seite (engl.) des Museums schlau machen:  usscod.org/. 

Unser Rundgang war an dieser Stelle zu Ende. Wir sind im Anschluss das ganze Boot wieder zurück gelaufen und haben uns einige Stellen nochmals genauer angeschaut. Am Ende gibt es noch ein paar Bilder für euch, die ich nicht mehr richtig zuordnen konnte. Ich hätte sie auch weg lassen können, fand sie aber Aufgrund vieler interessanten Details dann doch teilenswert.

Ein paar nennenswerte Fakten

Die USS COD (SS-224) ist ein U- Boot der Gato- Klasse und das einzige Schiff der United States Navy, das tatsächlich nach dem Speisefisch Kabeljau benannt wurde, einem wichtigen und sehr beliebten Fisch des Nordatlantiks und des Nordpazifiks. Ihr Kiel wurde am 21. Juli 1942 von der Electric Boat Company in Groton, Connecticut, angebracht und die fünf Dieselmotoren des 95 m langen U-Bootes wurden vom Dieselwerk General Motors Cleveland gebaut. Die USS COD kam am 21. März 1943 unter dem Kommando von CDR James C. Dempsey in den Dienst. Es war bis zum Jahre 1954 im Einsatz. 1959 holte man es wieder zurück nach Cleveland, wo es als Ausbildungsschiff für Marine-Rerservisten diente. 1971 erfolgte die Löschung aus dem Register und seitdem liegt das Boot dauerhaft als Museumsschiff in Cleveland, Ohio auf Anker, und ist für die Besucher geöffnet. Quelle: en.wikipedia.org

Heute ist USS COD eines der am besten restaurierten U-Boote und das einzige US-U-Boot, bei dem keine Treppen und Türen für den öffentlichen Zugang in den Schiffs-Körper geschnitten wurden. Die Besucher dieses stolzen Schiffes benutzen dieselben vertikalen Leitern und Luken, wie die Besatzung damals. Cleveland kann durchaus als Geburtsort von COD anerkannt werden, da die fünf massiven Dieselmotoren des U-Bootes aus Clevelands Diesel-Werk von General Motors gebaut wurden.

A D R E S S E USS COD / CLEVELAND
1201 N Marginal Rd,
Cleveland, OH

Infoquellen:

Offizielle Webseite: usscod.org/
Video-Dokumentation (mit deut. Untertitel): Teil 1 und Teil 2
Archivbilder: navsource.org/archives/
Eine Liste der Besatzung: usscod.org/

Ich hoffe, der kleine Tauchgang in die Geschichte hat euch gefallen. Würde mich sehr freuen zu erfahren, ob ihr diese Faszination für U-Boote teilt und auch schon mal eins besichtigen konntet.

Macht’s gut und bleibt gesund!

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Hallo, schön dass du hier bist. Hier findest du Freebies von meinen Designs, ein paar Reiseerlebnisse und noch allerlei andere Dinge die mich im Alltag beschäftigen, mich bewegen, begeistern, inspirieren und zum Selbermachen anregen. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei. Würde mich freuen!

14 Kommentare zu „Die USS-COD // Cleveland Sept. 2017

  1. toller Beitrag und ja ich hätte es mir auch angeschaut ! Im Technikmuseum in Speyer steht auch eins und ich habe mir dies auch von Innen angeschaut. Denke die sind alle ähnlich !
    Man kann es sich nicht vorstellen, dass die Besatzung es tage-wochen-nein Monatelang dort ausgehalten haben.
    Oft hat man die Boote auch als „schwimmende Särge“ bezeichnet. Der Druck auf die Mannschaft in Kriegszeiten muss gewaltig gewesen sein und keine wusste ob er wieder nach Hause kommt.
    Super Beitrag !!!

    1. Vielen Dank, Manni. Ich hab im Netz mal geschaut. Das U-Boot in Speyer sieht von außen auch sehr beeindruckend aus, ist wohl aber um 50 Meter kürzer als die USS-COD. Dadurch war das Gefühl im Inneren sicherlich um einiges beengter nehme ich an, Und stimmt, die Bezeichnung „schwimmende Särge“ kenne ich auch noch.

      1. Ich glaube, es sollen knapp 100 Matrosen an Bord gewesen sein. Ist schon eine Menge. Ich fand es auch so schon ziemlich kuschelig…

  2. ich finde uboote echt wahnsinnig faszinierend, aber auch befremdlich und surreal und beängstigend. sieht nach einem tollen ausflug aus. und die geschichte mit der toilette? uäääh.

  3. Dein Beitrag fasziniert mich. Ich habe mal in Bremerhaven ein U-Boot besichtigt. Deines war anscheinend um einiges größer. Danke für den ausführlichen Bericht in Wort und Bild. Ich habe wieder was gelernt.

    1. Oh, vielen Dank für dein Lob! Das freut mich wirklich sehr! 🙂

      Das U-Boot in Bremerhaven ist mit seinen knapp 77 Metern aber auch stattlich, wie ich eben gelesen habe. Schön auch, dass es im Hafen vor Anker liegt. Ich finde, das gibt einiges mehr an Erlebnisgefühl hinzu, wenn man weiß, dass man sich auch tatsächlich unter Wasser aufhält, wenn man hinabsteigt.

      Danke auch fürs Kommentieren! Viele Grüße! 🙋🏻‍♀️

    1. Oh wie schön! Herzlich Willkommen! 😀
      Sorry, dass ich dich nicht rechtzeitig freischalten konnte, dein Kommentar ist irgendwie im Spam gelandet.

Ich freue mich mega über jeden Kommentar!

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