8 TAGE UND 9 NÄCHTE IN BARCELONA // TEIL 5

“…Das Gefühl, in dieser Stadt bereits genug gesehen und erlebt zu haben, kommt und geht, so dass ich wieder das Gefühl habe so viele Orte hier nicht besichtigt zu haben. Uns rennt die Zeit davon…” schrieb ich in mein Reise-Tagebuch. Tatsächlich hat Barcelona so unfassbar viel zu bieten, selbst auch, wenn man sich ziellos durch die Straßen treiben lässt. Man sieht an manchen Tagen so viel, dass man das Erlebte kaum verarbeiten kann. Kein Wunder also, dass die Stadt ganz oben auf den Listen der beliebtesten Städte der Welt mit aufgeführt wird.

Es war der 6. Tag unseres Aufenthaltes, als wir beschlossen endlich mit der Stadtseilbahn zu fahren. An einem der zahlreichen Spaziergänge an der Strandpromenade, hatten wir die Gondeln in der Ferne entdeckt, die im Himmel über Barcelona vom unweit gelegenen Hügel der Stadt, emsig rauf und runter fuhren. Auch hatte ich recherchiert, wo genau sich die nächstgelegene Haltestelle Telefèric de Montjuïc befindet. Nämlich nur 30 Minuten zu Fuß von unserer Bleibe entfernt. Und so zogen wir los, denn bei einem gemütlichen Fußmarsch bekamen wir Gelegenheit weitere neue Eindrücke von der Stadt aufzunehmen. Uns blieben nur noch zwei Tage bis zur Abreise. Und just mit dem Gedanken, kam wieder dieses Gefühl, dass wir nicht genug von Barcelona gesehen hatten…

Die Besichtigung des CASTELL DE MONTJUIC und MERCAT DE LA BOQUERIA | TAG 6

Wieder einmal spät gefrühstückt und gut gesättigt, spazierten wir gemächlich die Straßen des Arbeiter- und Handwerkerviertels El Poble-Sec entlang, und durch solche, durch die sich vermutlich selten ein Tourist verirrt. Dann führte uns unser Fußmarsch irgendwann durch steile Gassen des Viertels den Hügel hoch. Die Affenhitze der Mittagszeit machte uns langsam zu schaffen. Dankbar, die schweren Wasserflaschen den ganzen weg geschleppt zu haben, legten wir irgendwo am Hang eine Trinkpause ein. Schließlich oben angekommen, erwartete uns ein netter Park mit Aussicht, leere Bänke im Schatten und ein Spielplatz. Hier konnten wir uns von dem anstrengenden Fußmarsch erholen. Die Aussicht war schön, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie im Park Güell {Mirador de Joan Sales – Mirador del Virolai} oder das, was uns gleich nach der Seilbahnfahrt im Castel erwarten würde.

Nach ca. einer Stunde, inclusive der kleinen Pause und der Wartezeit an der Schlange vor der Kasse, saßen wir auch schon in der Seilbahn in Richtung Castell de Montjuic.

Mit der Seilbahn über Barcelona

Die Fahrt kann eine ziemlich wackelige und beängstigende Angelegenheit sein, z.B. wenn man aufsteht um ein paar Bilder knipsen zu wollen, doch wir hatten immerhin die Kabine für uns allein. Die Aussicht aus der Gondel auf die Stadt ist wirklich einmalig und ließ mich an unsere Seilbahnfahrt 2015 auf den Pierre Loti Hügel in Istanbul erinnern, auch wenn sie durch die schmutzigen Scheiben etwas getrübt wurde. Ich nahm an, verursacht durch den Regen am Tag zuvor.

Ursprünglich wollten wir mit der Hafenseilbahn, Transbordador Aeri del Port' fahren, doch die Fahrt mit dieser Bahn beginnt mit der Fahrt im Fahrstuhl hoch auf den Seilbahn-Turm und soll nichts Angsthasen sein. Dieses auffällige, einem Leuchtturm ähnliche Konstrukt, kann man teilweise von der Stadt aus in der Ferne erblicken. Das es unterschiedliche Bahnen sind, bemerkten wir leider zu spät.

A D R E S S E

Telefèric de Montjuïc (Barcelona Cable Car)
Avinguda Miramar, 30,
08038 Barcelona


Website: telefericdemontjuic.cat

Castell de Montjuïc

Ich gebe zu, die Festung wollten wir eigentlich nicht besichtigen. Warum, kann ich nicht mehr so genau sagen. Vielleicht hatte es auch ein wenig mit dem Schock zutun, den wir für die Seilbahnfahrt bezahlt hatten: 34 Euro für zwei Erwachsene + 1 Kind. Etwas happig für eine kurze Fahrt von gerade einmal 5 Minuten, wenn man die Zeit in der Gondel abzieht, bis es endlich losgeht.

Dann haben wir es uns doch noch anders überlegt und die Mauern der Festung betreten. Ich muss sagen, alleine schon wegen der tollen Aussicht und der angenehmen Meeresbrise hat sich die Besichtigung gelohnt.

Die Seite mit der weiten Aussicht auf die Stadt

Die Festung Montjuïc trohnt direkt am Meer auf einem Hügel der katalanische Hauptstadt. Seine strategische Position am Meer spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Stadt. Die Burg wurde im 17. Jahrhundert als Militärfestung erbaut doch seine Geschichte und über menschlichen Siedlungen auf Montjuïc, reicht mindestens bis in prähistorische Zeiten zurück. Bereits von 1073 soll es Aufzeichnungen über einen Aussichtspunkt auf dem Hügel geben. Das verwundert nicht, wenn man hier oben steht, denn die Sicht auf die Stadt und auf den Hafen am Meer ist wirklich gigantisch.

An der Gefängnismauer

Montjuic diente nicht nur als strategisches Bollwerk. Es hat auch ziemlich düstere Zeiten erlebt, wie jüngst als Gefängnis für politische Gefangene. Es diente gleichzeitig auch als Hinrichtungsstätte. Und am Turm des Montjuic flatterte immer eine schwarze Fahne, die gehisst wurde, um eine weitere Exekution anzukündigen.

Tafel oben im Bild frei übersetzt: Im neunzehnten Jahrhundert wurde Montjuic Casle zum wichtigsten Militärgefängnis der Stadt, dem Ort der Inhaftierung und Hinrichtung vieler Bürger, die wegen der Verteidigung ihrer Ideale verhaftet wurden. Viele berühmte Persönlichkeiten wurden in den Kerkern entlang der dem Meer zugewandten Mauer festgehalten: Gonzalo Serraclara, bundesrepublikanischer Politiker (1869); Jose Rizal, Held und Märtyrer des philippinischen Unabhängigkeitskrieges (1886); Santiago Salvador Franch, im Bild (Foto oben), Anarchist und Autor des Liceu-Attentats (1893), hingerichtet 1984; Teresa Claramunt, Anarcho-Syndikalistenführerin, gefoltert und verurteilt im Prozess von Montjuic (1896), und Francesc Ferrer i Gurardia, Interlektueller und Lehrer, inhaftiert und hingerichtet in der Burg unter dem Vorwurf der Anstiftung zu den Unruhen während der Tragischen Woche (1909). Andere Gefangene in der Burg waren Intellektuelle, die von einem Militärgericht angeklagt wurden, die Fronleichnamsprozession im Jahr 1896 angegriffen zu haben; Gewerkschafter und Arbeiter, die an dem Streik teilgenommen hatten, der in La Canadenca (1919) begann, und Franco-Anhänger, die während des Bürgerkriegs (1936 – 1939) interniert waren.

Die Geschichte der Burg wird im Museumsbereich in mehreren Ausstellungen erzählt

Auch auf die Gefahr hin, dass man mich nun für vollständig bekloppt hält…bevor ich über seine düstere Geschichte erfuhr, spürte ich eine unangenehme Atmosphäre. Besonders lange stand ich vor einem der Gefängnisfenster an der Außenmauer. Als ob da noch jemand von innen durch die Gitterstäbe hindurchlugte und verzweifelt um Hilfe bat. Und das war, bevor ich das Hinweisschild (oben) an der Mauer entdeckt hatte. Nachts würde ich unter keinen Umständen alleine auf dieser Festung sein wollen…

Fazit: Das Castell gehört zu den Top Aussichtspunkten in Barcelona. Von hier aus hat man eine 360° Sicht vom Flughafen über den Frachthafen mit seinen Kreuzfahrtschiffen, bis rüber zur Altstadt Barcelonas, auf das geschäftige Eixample und nach Süden zum Sants. Das Museum in der Festung ist vor allem für Kriegsgeschichte-Liebhaber sehr interessant.


A D R E S S E

Ctra. de Montjuïc, 66,
08038 Barcelona

Webseite: juntament.barcelona.cat

Eintritt in die Burg:
Erwachsene 5,- Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist der Eintritt frei!

MERCAT DE LA BOQUERIA

Mit der Tram fuhren wir später den Hügel runter zum Bahnhof und von dort aus mit der Metro ins Stadtzentrum. Unser Ziel diesmal: die berühmte Flaniermeile La Rambla. Als wir beim Entlanglaufen die größte Markthalle Barcelonas, die Mercat St Josep La Boqueria erblickten, mussten wir ihr natürlich einen Besuch abstatten. Auf einer Fläche von 2.583 Quadratmetern und mehr als 300 Ständen ist hier wirklich alles zu finden, was das Schlemmerherz begehrt und einige der Produkte sind sogar so frisch, dass sie auf den Auslagen herumkrabbeln.

In der riesigen Markhalle schlängelt man sich zwischen den vielen Touristen durch lange und teilweise vollgestopfte Gänge. Doch auch viele Einheimische kaufen hier ein. Die angenehmen Düfte der bunten Auslagen betören und locken mal hier und mal da hin. Man könnte sich locker den ganzen Tag hier aufhalten. Inmitten den Lebensmittelständen, findet man auch kleine Tapas Bars und Restaurants. Vormittags wird der Markt gerne von renommierten Chefköchen besucht. Wer hier nicht einkaufen mag, kann einfach das bunte Treiben beobachten und ab und an etwas probieren.

A D R E S S E

La Rambla, 91,
08001 Barcelona, Spain

LAS RAMBLAS – die berühmte Flaniermeile

Die 1,2 km lange und breite Fußgängerzone mit zwei schmalen Einbahnstraßen, die auf beiden Seiten des zentralen Ramblas Boulevards verlaufen, liegt mitten im Herzen der Stadt. Auch hier sprudelt es vor Menschen. Die vielen Restaurants und Cafés mit Sitzmöglichkeiten im Freien, hübsche Läden und zahlreiche Souvenierstände locken selbst Sparfüchse an. Endlich hatte ich auch Zeit ein paar Briefmarken für mein FLB-Projekt besorgt, denn ich wollte auch hier nette Grüße am Urlaubsort hinterlassen.

Die Umstände dafür in Barcelona waren zwar sehr ungünstig, da die Briefkästen nicht öffentlich zugänglich waren, aber immerhin wurde ich Wochen später mit einer sehr lieben Rückmeldung belohnt.

Töchterchen am Betrachten der Souveniers
Ich suchte mir als Mitbringsel diese hübschen (echten!) Kakteen in winzigen Tassen aus.
Kunstvolle Postkarten in großer Auswahl
An einem der vielen hübschen Nebengassen von Las Ramblas

Tauben füttern an der Plaça de Catalunya

Plaça de Catalunya gilt bei den Einheimischen als der zentrale Punkt in Barcelona, denn er verbindet die Altstadt mit der City und zudem befindet sich hier ein Verkehrsknotenpunkt für die Bus- (oberirdisch) und die Metrolinien (unterirdisch). Der große Platz besitzt ein Springbrunnen und viele Bänke, umrahmt von Bäumen und Büschen. Hier trifft man sich, ruht sich aus und füttert die zahlreichen Tauben, wenn man mag. Ich habe im Übrigen absolut kein Verständnis für Taubenhass! Egal welche Gegenargumente da auf mich einprasseln mögen.

Es ist schön, dass man auf Orte trifft, wo diese Vögel nicht gehasst, sondern gemocht und auch gefüttert werden. Und hier an der Plaça de Catalunya kann man sogar spezielles Vogelfutter für die Tauben kaufen. Ein Grund mehr für mich, Barcelona zu lieben!

Das Töchterchen hatte großen Spaß

A D R E S S E

Plaça de Catalunya,
08002 Barcelona, Spain

Die Universität von Barcelona – Harry Potter lässt grüßen!

Hin und wieder wird man neugierig, wenn man vor einem interessanten Gebäude steht. Aber ist man auch mutig genug es zu betreten und hinter dessen Mauern zu blicken? Manchmal kann man dafür belohnt werden und entdeckt so Orte, die womöglich nicht einmal auf einer Top 30 Liste des jeweiligen Reiseortes auftauchen würden, jedoch aber sehr sehenswert sind.

Blick vom Innenhof | Die Universität ist in zwei Flügel gegliedert. Der rechte Flügel ist dem naturwissenschaftlichen Studium vorbehalten, der linke den Geisteswissenschaften. 

So ist es uns mit der Universität von Barcelona ergangen. Hier befindet sich die Fakultät für Mathematik und Informatik. Die restlichen Fakultäten sind in der Stadt verteilt. Das Gebäude wirkt von Weitem eher unscheinbar. Als wir jedoch vor dem großen runden Eingang standen, wurden wir neugierig. Wir liefen rein und standen plötzlich vor einem großen Freiluftgarten mit Teich und Brunnen, und vielen schönen Pflanzen und Sitzplätzen unter Bäumen. Das zwischen 1863 und 1882 erbaute Gebäude besitzt noch weitere Freiluftgärten, stets von hübsch verzierten Säulengängen umrahmt.

An einem der Säulengänge | Die Kapitelle der Säulen im mittelalterlichen Stil sind alle unterschiedlich gestaltet.
Die Ehrentreppe | Spätestens hier muss man an Hogwarts denken. Die Treppen hoch zu laufen, haben wir uns jedoch nicht getraut.
Im Vestibül des Hauptgebäudes | Man fühlt sich wie in einem Schloss.

A D R E S S E

Gran Via de les Corts Catalanes, 585,
08007 Barcelona, Spain


Als wir die Universität verließen, war die Dämmerung schon eingebrochen. Nach einem Abendsnack, kamen wir müde aber zufrieden im Hotel an. Wieder einmal war ein langer und ereignisreicher Tag in Barcelona zu Ende gegangen. Kaum zu glauben, wie viele Sehenswürdigkeiten wir in den wenigen Stunden abgeklappert hatten. Etwas Wehmut über die bevorstehende Abreise machte sich breit. Zu gerne hätten wir noch weitere Wochen hier verbracht.

Die letzten Eindrücke in dieser tollen Stadt folgen bald.
Bis dahin, machts gut in Lieben und genießt den Sommer!

Verfasst von

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