Die Burgruine Reußenstein auf der schwäbischen Alb

Hoch auf einem Felsen über Gemeinde Neidlingen (Landkreis Esslingen), thront diese mystische Burgruine aus dem späten 13. Jahrhundert, die glatt aus einem Fantasy-Rollenspiel entstammen könnte. Um ein vielfaches geheimnisvoller und düster wirkt sie sicherlich im Herbst, wenn sich der Nebel um die Burg und den Kalksteinfelsen legt. Die Lage ist spektakulär. Das wird einem erst richtig bewusst, wenn man auf der Terrasse des Westturms steht und über das Tal blickt.

Vom Parkplatz Reußenstein auf der Hochfläche, der sich auf der anderen Straßenseite links der K1430 in Richtung Lenningen-Schopfloch befindet, sind es zu Fuß etwa 8 Minuten Spazierweg bis zur Burg. Als wir die Festung an einem Wochenende Mitte März besuchten, hatten wir ca. 9 Grad. Es war zwar meist sonnig, aber es wehte doch ein recht frischer Wind hier oben. Ich war froh über meine dicke Jacke und den Schal.

Wenige Meter vor der Burg befindet sich links ein Aussichtsfels der nicht gesichert ist. Es ist verlockend von hier auf das Tal hinunter zu blicken und Fotos von der Burg zu machen. Man sollte jedoch darauf achten, das man sich nicht zu Nahe an die Kante stellt, es sei denn man ist ein erfahrener Kletterer. Vor der mutigen Sorte gab es an diesem Tag einige zu sehen. Sogar Kinder waren mit von der Partie.

Die Ruine ist als Ausflugsziel sehr beliebt. Es wird empfohlen unter der Woche und am besten Vormittags zu kommen, wenn man in hier in aller Ruhe klettern will. Eine Vielzahl mittelschwerer Routen soll es hier geben. Weitere Informationen dazu bekommt ihr vom DAV und in der Online-Broschüre Klettern im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, falls euch primär das Klettern hier interessieren sollte.

Bevor wir die Burg aufsuchten, erkundeten wir die unmittelbare Umgebung rund um den Wanderpfad zur Burg. Eigentlich dem Töchterchen geschuldet, die zuerst den kleinen Hügel rechts hoch klettern und erforschen wollte, was sich dort oben wohl befindet. Nun, nichts spektakuläres. Ein großer Grillplatz mit zwei Feuerstellen und Sitzbänken. Eine Familie hatte sich im hinteren Bereich um eine qualmende Feuerstelle herum versammelt.

Wieder unten auf dem Pfad, befindet sich auf der linken Seite ein kleiner Felsvorsprung. Wenn man da hochkraxelt, kann man die Burgruine Reußenstein quasi aus gleicher Höhe betrachten (s. Bild oben). Auch hier gibt es keine Sicherung und der Felsen ist relativ klein. Da wurde es mir das erste mal etwas mulmig im Bauch, als ich Hubby knipste. Doch diese fotogene Aussicht wollte ich nicht verpassen. Ich fand, mit seinem Hoodie passte er sehr gut zu der Kulisse. Es hatte etwas Mittelalterliches, wenn ich seine untere Körperhälfte mit Jeans und Sneakers ausblendete. Das Töchterchen wartete indes freiwillig unten auf uns, trotz enormer Neugier.

Nun würden wir endlich die Burg erkunden gehen. Die ganze Zeit über hatte die Sonne um die Wette gestrahlt, doch langsam sammelten sich dunkle Wolken über unseren Köpfen. Es schien ganz so, als würde es noch regnen wollen. Doch die Schleuse des Himmels war gnädig mit uns und blieb zu.

Zunächst haben wir jedoch den Westturm aufgesucht, der sich am unteren Burgplatz befindet. Den Weg dorthin kann man nicht übersehen. Einfach rechts den steilen Wallgraben an der Vorburg hinab steigen. Einst soll hier ein tiefer Graben gewesen sein, nach außen verstärkt durch einen Erdwall und nach innen durch eine hohe Ringmauer. Eine tolle und ausführliche Beschreibung der Burgruine Reußenstein findet ihr hier: reussenstein.de.

Wir marschierten auf etwas zu, dass zunächst aussah wie ein kleiner Stall. Das aber ist der Westturm. Auf seiner linken Seite geht es die Stufen hoch auf die Terrasse. Die Sicht von hier auf die Berge ringsum und das Tal ist der Wahnsinn! Ich hatte im Übrigen meine Spiegelreflex mit eingepackt. Mein lichtstarkes 24-70 mm Objektiv leistete hier einen tollen Dienst, trotz dass ich die Belichtungsregeln was die Kameraeinstellung betrifft gar nicht beachtet hatte. Das rächte sich an Tiefenschärfe bzw. fehlende Detailschärfe insbesondere der Bäume im Hintergrund. Beim Zoomen fiel mir das später am Rechner auf. Zugegeben, es stört mich schon etwas. Für das nächste mal versprach ich mir darauf achten.

Die Sage vom Riesen aus Neidlingen, der die Burg einst erbauen ließ, mag vielleicht nicht gerade spektakulär sein im Vergleich zu anderen Sagen und Legenden in Baden-Württemberg, aber wenn man den Felsen gegenüber betrachtet, könnte man meinen, der Riese bewacht heute noch sein stolzes Zuhause.

Wer sich übrigens für Sagen und Legenden Deutschlands besonders interessiert, dem kann ich die Buchreihe „Die schwarzen Führer“ wärmstens empfehlen (Für jedes Bundesland gibt es einen separaten Schwarzen Führer. Ich selbst besaß Bis vor einigen Jahren Die komplette Sammlung. Für Baden-Württemberg ist es das band: „Die Schwarzen Führer, Schwaben, Bodensee.“). | Für einheimische Fans des Grusels empfehle ich Das Buch der Unheimlichen orte in baden-württemberg“.

Dann betraten wir schließlich die Burg. Nach dem man die Stufen erklommen hat, läuft man zunächst eine kleine Kurve um die äußere Burgmauer entlang, bis man schließlich im Inneren der Burg ankommt. Die hohen Mauern um einen herum sind beeindruckend und lassen erahnen, wie es einst gewesen sein muss. Ich stellte mir vor, dass sich in der Nähe des Eingangs vielleicht die große „Halle“ befunden haben könnte. In seinem Zentrum ein großer Tisch, wo einst die Herzöge und Ritter ihre Strategien besprachen, und überlegte mir dann, wo die Burgküche untergebracht war. Ich vermutete im Erdgeschoss, und zwar direkt vor dem Eingang im abgetrennten Bereich.

Später entdeckte ich einen möglichen Hinweis darauf: den Umriss eines Rauchabzugs in der Burgmauer (Bild Mitte oben). Man vermutet jedoch, dass sich im Untergeschoss ein Dürnitz mit Kamin befand, da sich dort wohl auch ein Aborterker befindet. Muss ich übersehen haben. In den oberen Etagen befanden sich sicherlich die Schlafgemächer. Einige Quellen sprechen von drei bis vier Geschosse, andere von insgesamt fünf, incl. spätere Anbauten. Für mich besonders bedauerlich, dass der Burgfried nicht begehbar ist. Auf den hatte ich mich besonders gefreut.

Im Prinzip wars das auch schon mit unserer Besichtigung der Burg. Gerne wäre ich noch ein wenig länger innerhalb der Burgmauern geblieben. Hätte mich tiefer in die Atmosphäre von Reußenstein hinein gefühlt. Das Töchterchen jedoch und der Papa wollten nicht mehr. Sie hatten genug gesehen. Schade.

So spazierten wir noch ein wenig am Wanderpfand der Burg bis zur Absperrung. Seit einigen Jahren sind die Wege unterhalb der Burg wegen Felsschlags gesperrt, genauer gesagt betrifft es die Pfannensteige. Ob auch der Wanderweg vom unteren Parkplatz “Bahnhöfle” hoch zur Burg ebenfalls davon betroffen ist, konnte ich bisher nicht nicht in Erfahrung bringen. Dennoch ist es richtig schön hier. Schade, dass wir den Besuch der Neidlinger Wasserfälle, ca. 15 Marschminuten von der Burg entfernt, ausgelassen haben.

Langsam kündigte sich die blaue Stunde an und es wurde zudem richtig unangenehm. Der Wind war nun eisig kalt. Man konnte es beim Ausatmen am Dampf erkennen. Zeit nach Hause zu gehen. Unterwegs holten wir uns noch schnell unser Abendmahl beim Damn Burger. Da waren wir schon lange nicht mehr essen.

Bis bald ihr Lieben, genießt die herrlichen Sonnentage!

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3 Kommentare zu „Die Burgruine Reußenstein auf der schwäbischen Alb

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