
Es ist ein strahlender Morgen in Bari Sardo, als wir am 30.08.2022 noch vor 8 Uhr aufwachen und die letzten Vorbereitungen für unsere Abreise treffen. Ich bin aufgeregt und freue mich auf das Abenteuer in der Inselhauptstadt. Ich sehe mich bereits durch die historischen Gassen schlendern und den Trubel der Stadt genießen. Wir haben noch ausreichend Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, doch ich bin noch etwas müde. Habe nicht besonders gut geschlafen, da meine Tochter in der Nacht ängstlich zu mir ins Bett gekrochen kam. Sie hätte im Dunkeln drei schwarze Gestalten im Zimmer stehen sehen. Ich beruhigte sie und sie schlief ziemlich schnell neben mir ein, aber ich brauchte noch eine Weile bis ich wieder Schlaf fand. So war ich noch etwas gerädert.

Nachdem wir unsere gepackten Sachen ins Auto geladen hatten, machten wir uns auf dem Weg zum Frühstück. Ich konnte nicht viel essen, trotz dass ich es mir vorgenommen hatte, aber wartete geduldig auf Mann und Tochter, während ich Kater Johnny verwöhnte. Der Abschied fiel uns schwer von diesem süßen Kerl, mit seiner weisen und sanften Aura. Wir hatten ihn mittlerweile richtig ins Herz geschlossen.
Direkt nach dem Auschecken fahren wir auch schon los. Ich freue mich besonders auf die Hauptstadt der Insel Cagliari (ausgesprochen wird es Kall’jarie, indem man die erste Silbe betont). Endlich wieder Trubel, Menschen beobachten, durch die Geschäfte bummeln, Cafés besuchen und Sehenswürdigkeiten abklappern. Oh, wie habe ich die Energie einer Großstadt vermisst. Die Umgebung an der Ostküste von Cardedu und Bari Sardo, war für unseren Geschmack einfach viel zu dünn besiedelt und vereinzelt auch sehr trist.

Unsere Fahrt von Bari Sardo über die SS 125 Orientale Sarda, entpuppt sich als ein regelrechtes Abenteuer, durch eine wirklich wunderschöne und atemraubende Landschaft. Die Strecke schlängelt sich entlang der malerischen Ostküste, wo irgendwann extrem kurvenreiche Serpentinen das Autofahren wahrlich zu einem Nervenkitzel treiben. Fast eine Stunde lang, so scheint es. Selbst als Beifahrer ist meine Konzentration auf Höchstleistung eingestellt.
Ich wage es kaum die herrliche Landschaft zu genießen um auch den Mann nicht abzulenken, denn wir fahre teilweise an steilen Berghängen entlang, wo uns lediglich normale Leitplanken von einem Absturz in die unergründliche Schlucht eher illusorisch schützen, deren Tiefe wir von unserer Position aus nicht erkennen können. Bei jeder scharfen Kurve halte ich den Atem an, bis wir endlich im Tal ankommen und erleichtert aufatmen können. Gegen 11:30 Uhr erreichen wir schließlich die pulsierende Hauptstadt Sardiniens, wo uns ein neues Reisekapitel auf der Insel erwartet.

Je näher wir der Inselhauptstadt kommen, desto dichter wird der Verkehr. Über mehrere Spuren verteilen sich die Straßen und dann zeigt sich auf der linken Seite der schöne Hafen von Cagliari, mit unzähligen Booten und Kreuzfahrtschiffen. Wir beschließen dass wir den Hafen unbedingt besichtigen müssen, jedoch erst am Abend, denn die Sonne ist zum Zeitpunkt unerbittlich und am Hafen gibt es kaum Schattenplätze. Gefühlt scheint es mehr als die vorhergesagten 32 Grad zu sein. In der Hauptstadt ist es definitiv heißer als in Bari Sardo.
ANKUNFT IN CAGLIARI und die Sache mit dem Parkplatz
Es stellt sich heraus, dass unser Hotel Italia in der Altstadt von Cagliari, keinen eigenen Parkplatz besitzt, wie in den Bildern und in der Beschreibung auf der Buchungsplattform angedeutet. Wir müssen unser Auto am öffentlichen Parkplatz des Bahnhofs Metropark, Parcheggio Stazione di Cagliari abstellen, etwa 8 Minuten Fußweg vom Hotel gelegen. Hubby ist nicht begeistert darüber und vermutet zunächst, ich hätte bei meiner Hotelsuche vergessen den Filter „mit eigenem Parkplatz“ zu setzen. Ich prüfte es extra nach, hatte ich aber nicht. Irgendwie ist das Hotel durch den Filter geflutscht. Wie dem auch sei. Es ist passiert.



Wenigstens ist unsere Suite groß, komfortabel und angenehm klimatisiert. Wir haben zwei große Betten und überraschenderweise sogar zwei Badezimmer zur Verfügung. Die Decke des Zimmers ist hoch, mit schönen dunklen Balken versehen. Wir sind richtig begeistert und der Ärger mit dem Parkplatz ist sofort vergessen.
Wir erkunden die Altstadt von Cagliari
Frisch gemacht und neu gekleidet, werfen wir uns auf die Straßen der Altstadt. Als erstes erkunden wir die Via Roma, die sich unmittelbar in der Nähe unserer Bleibe befindet. Diese lebhafte Straße durch das Stadtzentrum am Hafen, strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus, die mich sofort an Genua erinnert. Die historischen Gebäude entlang der Via Roma besitzen ebenfalls schöne, hohe Arkaden, die Teils mit kunstvoll verzierten Bögen geschmückt sind und einen schattigen Rückzugsort bieten. Hier reiht sich ein Geschäft an das andere und zwischendrin laden Cafés und Restaurants dazu ein, eine Pause einzulegen, das Treiben unter den Arkaden zu beobachten oder auf das Meer und den Hafen zu blicken. Herrlich! Ich liebe lebhafte Orte und kann es nicht oft genug betonen.




In einem der Cafés unter den schattenspendenden Arkaden, finden wir einen gemütlichen Platz im Freien um unseren kleinen Hunger zu stillen. Denn wie die gesamte Insel, öffnen auch hier in der Hauptstadt die Restaurants erst wieder am Abend ab 18 Uhr, aber glücklicherweise bleiben die Cafés in Cagliari tagsüber geöffnet, so dass man sich mit Sandwiches oder frischen Backwaren versorgen kann. Es gibt aber auch einige Imbissbuden die speziell zur Mittagszeit geöffnet sind. Es ist nun einmal Tatsache, geöffnete Lokale füllen die Orte mit Leben und sorgen dafür, dass man sich draußen mit Freunden und Bekannten treffen und die Zeit genießen kann. Geschlossene Läden hingegen, erzeugen tote, leergefegte Straßen. Das konnten wir in Oristano mehr als deutlich feststellen und hier in Cagliari bekamen wir den Kontrast präsentiert.
Im Anschluss nach unserer kleinen Verstärkungspause, spazieren wir an der LARGO CARLO FELICE den Hügel hoch. Mittlerweile ist es 15:40 Uhr geworden. Auf der linken Seite entdecken wir den Supermarkt Crai, an der P.ZA YENNE. Da müssen wir natürlich gleich hinein und uns umsehen.




Habe ich schon erwähnt, dass wir es lieben die Supermärkte unserer Urlaubsorte zu besichtigen? Für uns gehören sie mit auf die Liste der sehenswerten Spots, denn sie sind wahre Fundgruben, wenn man einen authentischen Einblick in die lokale Kultur und Lebensweise der Einheimischen haben möchte.
Eine Wanderung durch die Gänge eines Supermarkts finden wir immer extrem spannend, da man meist immer Produkte entdeckt die man zu Hause gar nicht oder sehr selten findet: exotische Obstsorten, regionale Spezialitäten oder Backwaren, die man noch Lastminute probieren kann, bevor man das Land verlässt oder als Mitbringsel für die Familie mit nach Hause nehmen kann. Besonders spannend ist es, die lokalen Süßigkeiten und Snacks zu probieren. Zudem kann man sich ein Low-Budget Essen zusammen stellen, z.B. für ein spontanes Picknick am Strand oder im Park. Unser Fundstück im Crai: Sandwichbrote ohne Rand. Das kannten wir bis Dato tatsächlich noch gar nicht (Bild links oben).

Mit mit gekühltem Wasser und ein paar Snacks im Gepäck, geht es weiter den Berg hoch. Links an der VIA DOMENICO ALBERTO AZUNI erblicken wir die schöne Stiftskirche Chiesa Collegiata di Sant’Anna. Besichtigt haben wir sie jedoch nicht. Die Kirche steht zum Zeitpunkt vollständig in der prallen Sonne und es führen zu viele Stufen hoch bis zu ihrem Eingang.
Im Stadtviertel STAMPACE von Cagliari
Dort an der VIA DOMENICO, biegen wir dann rechts in die VIA OSPEDALE, weil diese Straße so schön im Schatten liegt. Selbst diese schmale Gasse beherbergt einige Geschäfte und sogar ein kleines Bistro-Café. Wir befinden uns im Übrigen im Bezirk Stampace.


Und weiter oben, wenn die schmale Gasse endet und sich auf der rechten Seite plötzlich alles lichtet, offenbart sich eine grandiose Aussicht auf die Bastione di Santa Croce. Das kommt auf meinen Bildern leider gar nicht so spektakulär rüber. Dreht man sich dann um, steht man vor einem großen Gebäude, dass von Außen wie ein Gerichtsgebäude oder dergleichen wirkt, auch weil der Eingang gut bewacht scheint. In Wirklichkeit jedoch, handelt es sich um das Krankenhaus Hospital San Giovanni di Dio, auch bekannt als das Zivilhospital, das seit dem 14. Jahrhundert in Betrieb ist (Bild links unten). Wir haben es leider zu spät registriert. Etwas schade, dass wir nicht einen Blick hinein geworfen haben.



Noch weiter höher, bis zur Festung Bastione di Santa Croce, wollen wir dann doch nicht mehr. Die Sonne hat uns mittlerweile ziemlich zugesetzt und die Erkundungslust gänzlich genommen. Uns zieht es wieder hinunter in die Altstadt, um irgendwo im Schatten die Zeit zu verbringen, bis die ersten Restaurants am Abend öffnen werden. Und so kommt es, dass wir nach etlichen Abzweigungen auf unserer Route nach unten, im kleinen Park Piazza Francesco Paolo Ingrao landen. Hier lässt es sich aushalten. Wir sitzen eine Weile unter dem wunderschönen großen Baum und blicken zum Hafen rüber und beobachteten amüsiert, wie sich die Tauben an einem Brunnen erfrischen und sich von der Hitze abkühlen.


Antonio
Und hier im Park lernen wir den Antonio kennen. Einen charmanten Einheimischen, 75 Jahre alt, dessen Vitalität und Lebensfreude richtig ansteckend ist. Kaum haben wir uns im Park niedergelassen, kommt Antonio lächelnd auf uns zu und meint: „Gute Leute. Ihr seid gute Leute. Das habe ich gleich gemerkt“. Und auf die Frage, woher er denn so toll Deutsch kann, beginnt er sich vorzustellen und seine Geschichte zu erzählen. Er berichtet von seinen Abenteuern als junger Mann, als ihn das Schicksal mit 20 Jahren in die Schweiz führte. Dort fand er einen Job in einem italienischen Restaurant, wo er nicht nur seine Kochkünste verfeinerte, sondern auch die deutsche Sprache erlernte.
Antonio, der vermutlich leidenschaftlich gerne mit Touristen plaudert, verrät uns, dass er dadurch seine Sprachkenntnisse auffrischt. Aber er spreche nicht alle an, betont er gleich, nur die guten Leute. So kommt es, dass er uns gleich noch mit einer Fülle an Sightseeing-Tipps versorgt, die er mit einem gewissen Charme und Witz würzt. Als er schließlich zu seinen Freunden zurückkehrt, die im angrenzenden Café auf ihn warten, bleibt uns sein Humor und seine Lebensfreude noch lange in Erinnerung. Wir denken zuhause noch oft an unser Gespräch mit Antonio zurück und bedauern, dass wir kein gemeinsames Foto mit ihm gemacht haben.
Das sind solche Momente, die uns immer wieder zeigen, wie unbezahlbar Reisen in andere Länder sind und welch unermesslicher Reichtum in den Begegnungen mit den Einheimischen verborgen liegen kann.
Abendessen im B-Steak



Es ist Abend und wir haben nicht groß recherchiert wo wir essen gehen wollen. Beim Schlendern durch die Gassen, kommen wir zufällig beim B-Steak, an der VIA VITTORIO PORCILE vorbei und beschließen spontan die Küche dort zu testen. Die Menükarte klingt sehr ansprechend, auch weil hier alle Speisen auf einem knusprigen Fladenbrot drapiert und serviert werden. Wir werden nicht enttäuscht. Die Portionen sind wirklich großzügig und das Fleisch sehr gut zubereitet. Es schmeckt uns allen ausgezeichnet. Zudem ist das Personal sehr nett und hilfsbereit. Zu trinken gibt es den leckeren Sardischen Radler, den wir bereits in Cardedu entdeckt haben. Das Töchterchen bekommt wie üblich ihre Zitronenlimonade. Danach geht es zurück ins Hotel. Wir benötigen eine kurze Verschnaufpause, dann frisch machen und duschen.

Wenige Stunden später öffne ich im Hotelzimmer kurz das Fenster um zu fühlen wie die Luft nun draußen ist. Deutlich angenehmer als noch beim Abendessen und vernehme einen leichten Hauch von Fischgeruch wahr, der von unten aus einem der Läden in unser Zimmer zieht. Die Küste scheint uns zu rufen. Wir brechen auf um den Hafen zu besuchen.
Am Hafen von Cagliari
Die Dämmerung ist angebrochen und die Altstadt wird magischer. Die verführerischen Essensdüfte aus den Restaurants vermischen sich mit der warmen Sommerluft. Aus einigen Schaufenstern dringt Licht auf die Gassen.

Die Menschen sitzen beschwingt bei einem Drink draußen vor den zahlreichen Lokalitäten beisammen, oder vor ihrem Abendessen. Manche spazieren auf der Suche nach einem Restaurant oder vermutlich auch bereits zufrieden und gesättigt durch die Gassen. Ich liebe diese Tageszeit im Sommer und am Liebsten in einer Weltmetropole. Die Stadt erwacht erneut zum Leben, die Energie ist anders, gelöster und unbeschwerlicher. Man kann den Tag noch mit schönen Aktivitäten befüllen, bevor man sich schlafen legt.

Wir überqueren die mehrspurige Hauptstraße VIA ROMA und die CALATA AZUNI und stehen nun am Hafen von Cagliari. Er ist nicht so stark besucht, so dass wir es in Ruhe erkunden und die Aussicht genießen können. Die funkelnden Lichter des Terminals auf anderen Seite des Hafens, lassen das dunkle Wasser golden glitzern. Die Luft ist angenehm frisch und trägt den salzigen Duft des Meeres, vermischt mit den Aromen einer Großstadt.




Ok, zugegeben, an einer Stelle des Hafens riecht es sehr unangenehm nach Zersetzungsgeruch, aber den Bereich meiden wir und finden eine schöne Ecke, wo wir den sanften Plätschern der Wellen lauschen und die magische Aussicht der funkelnden Lichter genießen, die sich in den Booten und Yachten spiegeln, die hier vor Anker liegen. Ein schöner Abschluss des ersten Tages in Cagliari.
Demnächst geht es weiter mit Tag 2 in der Inselhauptstadt. Bis dahin wünsche ich euch grandiose, sonnige Tage. Genießt den Sommer!

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Ein Kommentar zu „10 TAGE ROADTRIP DURCH SARDINIEN // TEIL 4 – ANKUNFT in CAGLIARI“