#WhathappenedSince

Motiv entdeckt während eines Spaziergangs | Die Abbildung symbolisiert perfekt das Jahr 2021: Pandemie, Einsamkeit, Armut, Leid, Tragödien, Trümmer…

Seit meinem letzten Beitrag hier im Blog sind mittlerweile tatsächlich drei Monate vergangen. Unglaublich…. Das Zeitgefühl ist schon etwas verflixtes, es läuft für bestimmte Dinge gleichzeitig völlig unterschiedlich ab. Und dann wiederum, hat der Tag nach Feierabend plötzlich keine Stunden mehr übrig für persönliche Interessen.

Mir ist sämtlicher Ansporn und jedes Krümelchen an Motivation flöten gegangen (wie auch in meinem Beitrag “Auf der Suche nach mehr Lebensfreude in meinem Bücherregal” berichtet) und die Wut zog ein. Nichts was mir durch den Sinn ging, schien interessant, inspirierend oder erzählenswert genug. Mein Alltag am Allerwenigsten, der zieht an manchen Tagen an mir vorbei und ich guck nur passiv zu… das fade Image des stinknormalen Lebens sozusagen.

Während ich mich seit Wochen immer mal wieder diesem Beitrag widme [ursprünglich wollte ich was ganz anderes schreiben & ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich den Text hier schon umgeschrieben habe] prasseln immer mehr schlimme Nachrichten ein: Flutkatastrophen, Waldbrände, Auflagen über Auflagen, noch mehr Panikmache, diverse Skandale in der Politik, Gesetzesänderungen, Zensuren, sterbende Existenzen, Armut, Inflationen, Depressionen, Familientragödien, 3G, 2G… all das stellt meiner Meinung nach die Pandemie komplett in den Schatten.

Und dann kam das…

#EinAbschiedfürimmer

Blick von einer Teeplantage runter ins Tal | Im Dorf meiner Großeltern, August 2021

Anfang August verstarb meine Mutter nach wochenlangem Leiden schließlich an den Nebenwirkungen der Covid-Impfung. Ja richtig gelesen! Auch wenn das jetzt einige von euch nicht gerne hören oder glauben wollen, möchte ich es trotzdem erwähnen, denn auf der anderen Seite dieser Medaille gibt es auch Opfer! Aber darüber wird in den großen Medien natürlich kaum gesprochen. Warum das so ist, kann jeder gerne für sich selbst spekulieren. Ich lass es besser bleiben, denn auf eventuelle Kommentare, die dann darauf folgen könnten habe ich echt keinen Bock.

Mama hatte die letzten Jahre oft über ihre Angst gesprochen, eines Tages völlig alleine sterben zu müssen. Ich hatte sie immer beruhig und versichert, dass wir Töchter definitiv bei ihr sein würden, sollte es irgendwann tatsächlich soweit sein. Aber manchmal spielt das Schicksal ein fieses Spiel. Als ob sie es geahnt hätte, starb unser Mutter tatsächlich völlig isoliert und alleine in einer Intensivstation. Was die ganze Situation für uns noch schlimmer machte war, dass sie während der gesamten Zeit über keine einzigen Besucher empfangen durfte. Nicht einmal, nachdem uns die Ärzte Stunden zuvor informiert hatten, dass Mama die Nacht nicht mehr überleben würde. Dabei hätte meine Tante (ihre Schwester) bei ihr sein und ihr in diesen schweren Stunden beistehen können. Einfach schrecklich und unmenschlich! Ich mag nicht daran denken, sonst überkommt mich wieder die Wut über all diese fragwürdigen Auflagen.

Dann kam die Nachricht über ihren Tod tatsächlich noch in der gleichen Nacht. Wir waren tief geschockt, trotz Vorwarnung, denn irgendwie gibt man ja die Hoffnung nie ganz auf, dass sich die Ärzte vielleicht irren könnten und doch noch ein Wunder geschehen könnte.

Nach Minuten des Schocks, gab es keine Zeit für Trauer. Ab da habe ich nur noch funktioniert. Rückblickend frage ich mich, wie ich es geschafft habe noch in der Nacht, alle Termine für die kommenden Tage zu stornieren [Mails sei Dank], den schnellsten Auslandsflug zu buchen, Einreiseformulare auszufüllen und gleichzeitig für den Abflugtag einen Covid-Test zu organisieren. Glücklicherweise hatten wir in Ba-Wü Sommerferien und ich hatte zufällig für die kommende Woche Urlaub eingereicht, sonst wäre der Stress noch größer gewesen.

Dann kam der Abreisetag. Am Vormittag standen wir pünktlich vor dem Testzentrum im Nachbarort an der überraschend kleinen Schlange. Trotz dass wir den kostenpflichtigen Test mit dem internationalen Dokument für den Flug gebucht hatten, bekamen wir den Standard-Testschein für den kostenlosen Schnelltest ausgehändigt. Gut das wir die Ausdrucke schon vor Ort geprüft haben und nicht erst am Flughafen. Zügig hat man uns die richtigen ausgestellt.

Mein Schwager hatte netterweise angeboten uns zum Flughafen zu fahren. Er kam auch überpünktlich, doch kaum waren wir unterwegs mit Sack und Pack, steckten wir im schlimmsten Stau wie schon lange nicht mehr. Nach unzähligen Stop-and-go’s, kamen wir ziemlich spät, aber gerade noch rechtzeitig vor Schalterschluss am Flughafen an. Dann jedoch, wurde ich bei der Sicherheitskontrolle extra gründlich gefilzt, incl. Drogenabstrich! Grund: ich trug meine Plateaustiefel. Ich weiß sehr wohl, dass diese Prozedur nur der Sicherheit dient, aber in meiner damaligen Verfassung hatte ich kein Verständnis dafür. Ich beschwerte mich lautstark, obwohl das eigentlich so gar nicht meine Art ist.

Tragt also niemals Plateaustiefel bei einer Flugreise! {Es sei denn, ihr möchtet erleben wie es ist im Flughafen gefilzt werden…}

Und nach ca. 16 Stunden Dauermaskentragen und 2 Zwischenstopps (3 Flüge!) später gegen 03:30 Uhr, erreichten wir völlig erschöpft {und ich mit üblen Kopfschmerzen}, endlich unsere Pension. Das Töchterchen hatte immerhin im Flugzeug schlafen können, doch wir Erwachsene mussten nach wenigen Stunden Schlaf schon wieder fit sein, denn am Mittag fand bereits die Beerdigung statt und im Anschluss darauf die Trauerfeier.

Auf einem der zahlreichen Berge des Dorfes meiner Großeltern, befindet sich die hübsche Pension von Verwandten

Während der Fahrt in der Nacht vom Flughafen zum Dorf meiner Großeltern, haben wir kaum etwas von der Landschaft gesehen. Oft nur die wenigen Meter vor uns, die von den Scheinwerfern des Wagens erhellt wurden. Die Straße zum Dorf wird nur streckenweise beleuchtet, denn meist stehen Straßenlaternen nur dort, wo Häuser stehen. Als wir dann am Morgen aus dem Fenster blickten, waren wir überwältigt von der tollen Aussicht. Zwar entpuppte sich dieser Tag als ziemlich bewölkt und regnerisch, aber die Luft fühlte sich unglaublich frisch und rein in unseren Lungen an. Zudem roch die Natur hier so gut nach all dem Grün um uns herum. Diesen Duft kannte ich nur zu gut. Er transportierte mich sofort in meine Kindheit während der Ferienzeit hier im Dorf. Wie unbeschwert und frei wir hier gespielt und herum gewandert sind. Lediglich zum Essen und Schlafen kamen wir zum Haus meiner Großeltern. Die meiste Zeit des Tages verbrachten wir im Freien. Im Dunkeln versuchten wir Leuchtkäfer zu fangen und selbst bei schlechtem Wetter, hockten wir unter irgendeinem Unterschlupf, erfanden lustige Spiele oder erzählten uns Grusel-Geschichten. Auch wenn es wie aus einem klischeeartigen Kinderfilm klingt, ich habe meine Kindheit hier tatsächlich so verbracht.

Und von Gruselgeschichten schien es im Dorf immer jede Menge zu geben. Einige sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Wie etwa von Höhlen, die von Dämonen bewacht würden und über Anwohner, die Nachts irgendwo oben in den Bergen, kilometerweit entfernt von ihrem Wohnort aufgewacht wären. Oder über ein uraltes verlassenes Haus, dass ein paar Straßen weiter von meinen Großeltern entfernt unten am Fluss stand. Hier hörten die Dorfbewohnter angeblich Nachts immer Musik und Stimmen, da angeblich Dschinns im Haus eine Party feierten. Gesellte sich ein Sterblicher dazu, würde das Haus diesen für immer verschlucken. Wir liebten diese Geschichten, gruselten und spielten dann lustigerweise später in völliger Dunkelheit Verstecken.

Immer wieder faszinierend, wie Düfte und Gerüche Erinnerungen in uns wecken können. Wer sich näher dafür interessiert, findet hier eine gute Erklärung: wissenschaft.de.

Während der Bestattung standen wir Schwestern eng umschlungen und mit Tränen in den Augen und nahmen Abschied, als der leichte Regen sanft über uns fiel. Nun war Mama endlich Zuhause angekommen und wurde genau dort beigesetzt, wo sie schon immer begraben werden wollte: neben ihrem Vater.

Am nächsten Tag waren wir auch schon wieder Unterwegs und klapperten die nächstgelegenen Städte ab. Wir mussten in Erfahrung bringen, wo wir unseren PCR-Test für den Rückflug würden machen können. Corona gab uns keine Zeit für Trauer.

Besonders erschüttert hat mich [das muss ich jetzt ebenfalls loswerden] zu sehen, wie verängstigt meine – wohlgemerkt vollständig geimpfte – Verwandtschaft war. Auch sie waren wie wir extra zur Beerdigung angereist. Einige waren so panisch, dass sie sogar zwei FFP2 Masken übereinander trugen. Auch im Freien (die Trauerfeier fand Draußen im Hof meiner Großeltern statt). Es gab beim Wiedersehen dementsprechend auch keine warmen Umarmungen, sondern lediglich eine kalte Begrüßung mit der Faust. Einige hatte ich zuletzt vor 11 Jahren bei der Trauerfeier meines Vaters gesehen und andere sogar, als ich erst noch ein Teenie war. Das so mitzuerleben war total surreal wie in einem seltsamen Traum und gleichzeitig so UNENDLICH traurig.

Was hat man nur aus dieser Welt gemacht? Dieser Covid-Alptraum muss endlich ein Ende haben!

Blick auf die Teeplantagen auf der anderen Seite des Tals

Kaum Zuhause wurde der Schmerz über Mutters Tod so richtig spürbar. Mir wurde bewusst, wie sehr uns die Gesellschaft der Menschen im Dort gut getan hatte. Zwar war ich froh, dass Mama von ihren Leiden erlöst worden war, aber sie fehlt. Dieses schmerzhaft-taube Gefühl auf meiner Brust wird mich vermutlich noch lange begleiten.

Rückblickend, bin ich für meine Familie und all die großartigen Menschen dort so unglaublich dankbar. Ihre Hilfsbereitschaft bei der Organisation der Beerdigung, und dass sie uns täglich etwas zu essen vorbei brachten, sich stets um uns kümmerten, hat uns so unglaublich bei der Verarbeitung des Verlustes geholfen. Auch die Tatsache, dass Mama von ihrem wochenlangen Leiden und den Schmerzen schließlich erlöst worden war. Ihre letzten Wochen verbrachte sie nur im Bett, größtenteils ohne Bewusstsein. Motorisch komplett eingeschränkt, konnte kaum noch sprechen und wurde seit dem auch durch eine Magensonde künstlich ernährt. Wenn man ganz ehrlich ist, waren es im Grunde nur lebenserhaltene Maßnahmen gewesen.

Nun ist sie erlöst. Ruhe in Frieden, Mama. ❤️


Vor ein paar Jahren hätte ich nicht einmal im Traum daran gedacht oder jemals geglaubt, dass sich die Welt ab 2020 so drastisch verändern würde. Geschweige denn, dass meine Mutter ein Opfer eines riesigen Alptraums werden könnte. Ganz klar, in diesem Jahr scheint es eine der schwierigsten Aufgaben zu sein, das Glück aus dem Alltäglichen zu beziehen.

Doch hin und wieder erlebt man Momente, die einem davor bewahren vollständig in Zukunftsängste zu verfallen. Meist sind es die kleinen Dinge, die zumindest mir wieder etwas Energie schenken. So wie mein 5-blättriges Kleeblatt Fundstück neulich, das mir sagt, dass bald alles wieder gut wird.

Mein Glücksbringer hat nun gepresst und eingerahmt einen Ehrenplatz auf meinem Regal erhalten. Er soll mich stehts daran erinnern niemals aufzugeben.

Bis hoffentlich bald, Ihr Lieben und passt auf euch auf.

Verfasst von

Hallo, schön dass du hier bist. Hier findest du Freebies von meinen Designs, ein paar Reiseerlebnisse und noch allerlei andere Dinge die mich im Alltag beschäftigen, mich bewegen, begeistern, inspirieren und zum Selbermachen anregen. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei. Würde mich freuen!

2 Kommentare zu „#WhathappenedSince

  1. Schön mal wieder was von dir zu lesen wenn auch der Beitrag alles andere als erfreulich ist.
    Die Mutter zu verlieren ist immer schmerzhaft aber die Umstände in deinem Fall sind schon erschreckend.
    Was soll ich da schreiben ? Alles Gute Manni

Ich freue mich mega über jeden Kommentar!

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