Das SUN STUDIO in Memphis – Die Geburtsstätte des Rock ’n‘ Roll

Vor dem Eingang des legendären SUN STUDIOS in Memphis

Was will man eigentlich in Memphis, würden sich manche eventuell fragen. Da pilgern doch nur durchgeknallte Elvis-Fans hin. Was gibt es da sonst noch zu sehen? Vielleicht noch die Beale Street und ein paar ansässige Museen abklappern, aber das war’s ja auch schon.

Oh nein. Memphis hat noch viel mehr zu bieten. Und nur wenige wissen, diese Stadt im Süden gilt als die Geburtsstätte des Rock’n’Roll. Und eine Mekka von vielen im Memphis, befindet sich hier an der 706 Union Avenue, Ecke Union und Marshall – im SUN STUDIO. Für viele Musiker heute noch eine „heilige Stätte“.

In der legendären Beale Street pulsierte der Blues und entfaltete sich, viele berühmte Musiker seinerzeit hielten sich hier auf, musizierten, sangen und inspirierten viele zukünftige Weltstars wie Elvis Presley. Doch durch das SUN STUDIO wurde der Rock ’n‘ Roll erst richtig berühmt.

Völlig unverständlich: Die "Rock'n'Roll Hall of Fame befindet sich nicht in Memphis, sondern in Cleveland! Angeblich weil ein Radio-Discjockey namens Alan Freed, den Begriff "Rock and Roll" erfunden hat, aus Cleveland stammte. Woher die Musik ursprünglich kommt, scheint hierbei völlig irrelevant zu sein! Und Geld mag dabei auch eine große Rolle gespielt haben...  Nun ja, in den besagten Hallen in Cleveland waren wir auch. Der Beitrag dazu folgt noch.

Im SUN STUDIO Cafè

Das kleine Studio in der 706 Union Avenue in Memphis Tennessee, gibt von außen vielleicht nicht viel her, aber in seinem Inneren wurden viele Musik-Geschichten geschrieben. Als wir am 21. September 2017 diese legendäre Räume betraten, war die große Stube im Cafe voller Besucher, die alle auf den Rundgang warteten, der in wenigen Minuten beginnen sollte. Sie waren vermutlich mit dem Reisebus angekommen, der vor dem Eingang parkte. Ich hatte Glück und konnte mich der Gruppe anschließen.

Mein Mann blieb beim Töchterchen, da Kinder unter 6 Jahren nicht daran teilnehmen können. Das war aber nicht weiter schlimm, denn es gab hier kleine Snacks und überraschend guten Kaffee für lediglich 1 Dollar. Zudem konnte man bequem an einem der Tische platz nehmen, sobald die Besucher in den heiligen Hallen verschwunden waren.

Ich hatte noch Gelegenheit mich etwas umzusehen und ein paar Eindrücke mitzunehmen, bevor auch wir mit dem Rundgang beginnen sollten. Die Wartezeit kann man hier gut überbrücken, denn die Wände im Café sind voller Bilder und Alben der großen Künstler, die einst hier im Studio gespielt haben. Die meisten natürlich von Elvis.

An der linken Wand steht ein Regal voller Merchandise-Produkte. Überwiegend Kleidung. Ich gebe zu, ich war ganz kurz davor ein schwarzes T-Shirt mit dem berühmten gelben Label zu kaufen. Entschied mich dann aber doch für einen Aufnäher.

Winzig klein aber besonders sehenswert ist der Record Shop im hinteren Teil des Cafes. Hier kann man Singles, Plakate, Zeitschriften und Zeitungsdrucke kaufen. Diese Ecke des Raumes ist so klein, dass man sich beim Fotografieren teilweise verrenken muss, um möglichst alles auf ein Bild zu bekommen.

Sun Studio Record Shop

Der Rundgang im Studio

Dann endlich ging es los. Wir wurden in einen großen Raum voller Schaufenster geführt, in denen viele Schätze des Studios aufgestellt waren. Relikte der 50er Jahre und viele Aufnahmegerät, quasi die damalige Technik, mit denen die Welthits verewigt wurden Da standen wir Besucher nun erst einmal eine Weile, bis ein junger Mann, schätze Anfang/Mitte 30, den Raum betrat uns uns voller Elan begrüßte.

Was für eine Energie und Begeisterung für jemanden, der das vermutlich x-Mal am Tag machen muss, dachte ich. Gekonnt spannend erzählte er die Legende des Studios und wie es als Geburtsort des Rock’n’Roll bekannt wurde. Leider habe ich aufgrund der schnellen Erzählweise nicht alle Details verstanden. Wenn es tatsächlich stimmt, was ich mitbekommen habe, beherbergte das Studio nach dem Verkauf im Juli 1969 alles Mögliche. Wohl auch eine Werkstatt.

Während ich mir überlegte, ob unser Tour Guide überhaupt erzählt hatte, welchen Zweck dieser Raum hier damals erfüllt hatte, wurden wir endlich in das berühmte Aufnahmestudio geführt.

Im Aufnahmestudio

Das Aufnahmestudio des Sun ist noch voll funktionsfähig und aus der Zeit der 50er und 60er Jahre stehen noch viele Geräte und Instrumente herum. Das Schlagzeug im hinteren Bereich, ist jedoch ein Geschenk von der Band U2.

Denn 1987 wurde Sun Studio als Museum und reguläres Tonstudio wiedereröffnet, und U2 war eine der ersten Bands, die hier aufnahmen. Und zwar am 19. bis 22. November 1987. Die Songs „Angel of Harlem“, „Desire“, „Love Rescue Me“ und „When Love Comes to Town“ aus dem Album Rattle & Hum wurden hier im Sun Studio aufgenommen. Quelle: rollingstone.com/

Im Studio soll alles noch genau so sein wie es einmal war, als Elvis im Jahre 1954 seine Hitsingle aufgenommen hat. Ein kleines x auf dem Boden markiert den Platz auf dem der King stand. Daneben steht ein altes zusammengeflicktes Shure 55 Mikrofon, und genau in den soll Elvis einst gesungen haben. Für mich irgendwie schwer zu glauben.

Nachdem die Tour offiziell beendet war, durften wir uns frei im Raum bewegen. „Ballad Of A Teenage Queen“ von Johnny Cash tönte durch die Boxen. Trotz dass ich Johnny Cash nicht so mag (er sing mir zu tief), passte sein Song jedoch sehr gut zu der Atmosphäre.

Dann durfte jeder Gast an der besagten Stelle stehen, das Heiligtum in die Hand nehmen und sich dabei wie ein Musikstar fühlen. Fotos inclusive, und natürlich vor den Augen aller Besucher. Zugegeben, ein wenig unangenehm war mir das schon.

Das Shure 55 Mikrofon – irgendwie schwer vorstellbar, dass Elvis einst genau in dieses Miko gesungen haben soll

Ich hatte meinen magischen Moment, als ich, während der Tour Guide im Raum Anekdoten von Einst zum besten gab, die ganze Zeit über vor dem Klavier unter dem gerahmten Foto des „Million Dollar Quartett“ saß. Diesen speziellen Platz hatte ich ganz für mich alleine, und es war, als hätte ich einen besonders „heiligen“ Ort im Studio gefunden. Denn genau hier am Platz vor dem Klavier, genau da wo auch das Foto heute hängt, saß Elvis am 4. Dezember 1956 zusammen mit Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins, die alle um ihn herum standen. Wahnsinn!

Das „Million Dollar Quartett“

Wir verließen dann das Studio durch einen kleinen Raum, in dem alte Büromöbel aufgestellt waren. Vermutlich ist dieser Bereich der damaligen Sekretärin Marion Keisker gewidmet. Hübsch gemacht. Ich setzte mich hin, spielte Frau Keisker und ließ mich von einer sehr netten Dame aus England fotografieren.

Nun ich habe keine Ahnung ob diese Möbel auch damals hier im Sun Studio standen, aber man bekommt zumindest eine kleinen Einblick und Gefühl für die Zeit.

Und falls ihr eines Tages das Studio besucht, dann nicht vergessen am Ende der Tour Trinkgeld für die großartigen Mädels und Jungs hier da zu lassen!

Die Trinkgeld-Box

Über Sam Phillips und SUN

Memphis Recording Service hieß das Studio kurz nach seiner Eröffnung

Sam Phillips , geboren am 5. Januar 1923 in Alabama, war ein weißer der afroamerikanische Musik liebte. Als er sich Ende der 1930er Jahre auf dem Weg nach Dallas, mit einigen Kirchenfreunden aus Alabama in der Beale Street traf, verliebte er sich in die Bluesmusik. Im Jahre 1945 zog er schließlich nach Memphis. Er war bereits ein etablierter Radiomann, als er das Sun Studio eröffnete.

Bevor er nach Memphis zog, hatte er Shows in Muscle Shoals, Decatur und Nashville produziert und moderiert. Phillips, der mehr oder weniger als ein Talentscout für andere Plattenlabels wirkte, entdeckte eine Fülle von Talenten in seinem eigenen Hinterhof im mittleren Süden, und beschloss, in Partnerschaft mit dem Memphis DJ Dewey Phillips, sein eigenes Plattenlabel Sun zu gründen. Sein Slogan lautete „Anything-Anywhere-Anytime„. Ein auffälliges Logo der aufgehenden Sonne und Hahn, schmückte fortan die Platten.

Noch bevor Phillips 1952 das Label gründete, hatte er einige der bedeutendsten Blues-Ikonen wie Howlin „Wolf, Rufus Thomas und B.B. King aufgenommen, sowie einige der größten R&B-Hits seiner Zeit, wie Rocket 88.

„Was man hört, ist ein Moment in dem die Sänger und Musiker tief in ihr Leben und ihre Emotionen blicken, einen Teil ihrer Seele fanden, von dessen Existenz sie vielleicht gar nicht wussten, und ihn in Phillips‘ Bandgerät projizierten. Manchmal wurde es mit einem etwas bandverzögertem Echo angereichert, oder vielleicht wurde ein Mikrofon genau an der richtigen Stelle platziert um dem Ganzen eine ätherische Atmosphäre zu verleihen, aber die Seele war da, eingefroren in der Zeit, aber lebendig für die Ewigkeit…“ ~ John Floyd „Sun Records: An Oral History

Sein richtiges Debüt hatte das Sun Studio mit „Driving Slow“ von Johnny London, einem Saxophonisten aus Memphis. Diese Platte machte das kleine Studio in Memphis zu einem Magneten für sämtliche Blues und R&B-Künstler in den Staaten. Viele von ihnen die damals nach Memphis kamen wurden danach richtig populär.

Der historischer Moment, der alles verändern sollte war im Jahre 1954, als ein schüchterner 19-jähriger weißer Junge mit dem Namen Elvis Presley das Studio betrat, seine Gitarre zückte und irgendwann „Thats all Right Mama“* ins Mikro schmetterte. Und zwar wohl so außergewöhnlich, dass alle im Studio völlig von den Socken waren. Dieses Ereignis sollte später als Rock’n‘ Roll in die Geschichte eingehen. Wie und was genau an diesem Tag passiert ist, variiert stets ein wenig, und klingt eher wie eine Legende, als eine wahre Story.

Fan Fact: "That's All Right Mama" war nicht die erste Platte, die der junge Elvis im Sun Studio aufgenommen hatte. Seine allererste Single hieß "My Happiness", ein Geburtstagsgeschenk für seine Mutter Gladys.

*Die erste 45er "That's All Right" ist in einem guten Zustand ungefähr  6.ooo $ Wert.  

Zum Abschluss: Ein Memphis-Besuch ohne diese historische Stätte wäre nicht komplett, denn Memphis und seine Musikgeschichte gehören zusammen, wie New York und die Freiheitsstatue. Solltet ihr Memphis besuchen, dann müsst ihr neben der Beale Street auch unbedingt das Sun Studio besichtigen!


A D R E S S E

706 UNION AVENUE
MEMPHIS, TN 38103

Das betriebsame Café mit dem großartigen Personal und sein Museums-Shop ist für Fans kostenlos geöffnet.

Geöffnet, täglich von 10 Uhr bis 18:15 Uhr. Die Touren finden stündlich immer um halber statt, also um 10:30 Uhr, 11:30 Uhr usw. Die letzte Tour ist um 17:30 Uhr.
https://www.sunstudio.com/


Ein schönes Wochenende noch ihr Lieben!
Bis bald,

Verfasst von

Hallo, schön dass du hier bist. Hier findest du Freebies von meinen Designs, ein paar Reiseerlebnisse und noch allerlei andere Dinge die mich im Alltag beschäftigen, mich bewegen, begeistern, inspirieren und zum Selbermachen anregen. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei. Würde mich freuen!

7 Kommentare zu „Das SUN STUDIO in Memphis – Die Geburtsstätte des Rock ’n‘ Roll

  1. vielen lieben Dank für die Führung durch das Studio !!! Sicherlich für die ein weiteres Highlight und man merkt schon beim „lesen“ das es Spaß gemacht hat und nur das zählt !!!! LG Manni

    1. Vielen Dank, Manni! 🙂
      Freut mich wirklich sehr, dass dir mein Beitrag gefallen hat.

      Es war wirklich etwas ganz besonderes für mich. Im Nachhinein betrachtet erscheint alles unfassbar und wie ein wunderschöner Traum. Schade auch, dass ich die Besichtigung nicht mit meiner Familie machen konnte. Das hat mir irgendwie gefehlt, als ich mitten fremder Menschen im Studio stand. Sonst war alles großartig. Ich kann es nur jedem empfehlen der Memphis besuchen möchte.

      Liebe Grüße!

  2. soooooooo geil! Hach ist das schön. – WOW.. ..was für Fotos und was für Erinnerungen da bei mir wach werden.
    Das erste Mal war ich 1990 dort, da war ich 20.. …hatte gerade MYSTERY TRAIN von Jarmusch gesehen und das RATTLE AND HUM Album von U2 rauf und runter gehört. Es war magisch. Echt ein Traum. ..schön auch, das du an das ‚Angel of Harlem‘ Video gedacht hast. 🙂 🙂 🙂
    Was ich vollkommen vergessen habe ist das kleine SUN STUDIO Cafe nebenan… …bei meinem Budget war nur ein Kaffee drin… …der Rest wurde in Aufkleber und ein T-Shirt investiert (das heute noch existiert.. ..zwar etwas spack… 😀 …aber ich kriege es noch an :D)

    Danke für diesen wunderschönen Beitrag

    Liebe Grüße 🙂

    1. Oh wow! Was für ein Kompliment!!! Ich werd rot, danke dir!

      Oh, ich wünschte so sehr, ich wäre zu der Zeit auch in Memphis gewesen. Da war der Bezug zu Elvis und Memphis ein ganz anderer….viel intensiver, emotionaler und bedeutungsvoller als heute. Schätze, ich wäre vor Glück dort zu sein in Ohnmacht gefallen! Dafür beneide ich dich ehrlich gesagt schon ein wenig.

      Du kommst noch in das Shirt von damals rein? Respekt! 🙂

      Liebe Grüße zurück!

Ich freue mich mega über jeden Kommentar!

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