8 TAGE UND 9 NÄCHTE IN BARCELONA // TEIL 3

Schaut ihr zur Zeit auch Urlaubsfotos durch und trauert dieser schönen Zeit vor Corona hinterher? Wie neulich erwähnt, konnten wir dieses Jahr auch nicht in den Urlaub fahren. Umso schlimmer ist jetzt meine Sehnsucht nach fernen Orten, wie nach Barcelona zum Beispiel. Wie gerne wäre ich jetzt dort, selbst im kühl-nassen November. Es wird längst Zeit, dass ich euch wieder ein wenig von unserem Aufenthalt im Juni 2018 dort berichte. Heute vom Tag 4. An diesem Tag gab es so viel zu sehen und zu erleben: Angefangen von Stierkampfarenen, bis hin zum größten Donut meines Lebens (jawohl in Barcelona und nicht in den USA!), dass ich den Plan, mehrere Tage zusammen zu fassen recht schnell umgeworfen habe. Vermutlich wäre ich sonst am Neujahr noch dran gesessen. Denn wie ihr vielleicht wisst, schreibe ich aus Zeitgründen immer mehrere Tage an einem Beitrag. Aber genug davon.

Casa Batlló von Gaudi

Irgendwie war es so, dass wir in Barcelona morgens immer langsamer in die Pötte kamen. Trotz dass unser Hotelzimmer ziemlich dürftig und beengt war, brauchten wir gefühlt eine Ewigkeit, bis wir uns wieder draußen auf den Straßen dieser aufregenden Stadt fanden. Ich hatte ja bereits erwähnt, wie krass diese Unterkunft unsere Wahrnehmung über Barcelona negativ beeinflusste, doch kaum hatten wir das Hotel verlassen, waren diese trüben Gedanken wieder verschwunden. Wären wir in einer besseren Unterkunft gelandet, hätten wir Barcelona mit Sicherheit ganz anders empfunden. Nun ja, wir konnten nichts mehr daran ändern. Eine Stornierung und Neubuchung gab unsere Reisekasse nicht mehr her.

Die Neugotische Kirche von Sant Francesc de Sales

Etwas viel Zeit benötigten wir zugegeben auch für unseren Frühstück beim Bäcker um die Ecke, denn dort saßen wir gerne mal etwas länger, genossen die Atmosphäre inmitten der Einheimischen, und besprachen wo es am jeweiligen Tag hingehen sollte. Unser Plan für Tag 4 stand schnell fest. Heute wollten wir endlich die Sagrada Familia besichtigen.

Tag 4 – Anders als geplant

Unterwegs trafen wir Obama (vor dem gleichnamigen Pub an der Gran Via de les Corts Catalanes, 603)

Wie die meisten Barcelona Besucher, wollten wir das berühmte Herzensprojekt von Gaudi besuchen. Diese faszinierende Kathedrale, für die er sein letztes Geld ausgegeben und sogar am Ende alle möglichen Menschen um Spenden für den Weiterbau gebeten haben soll. Ihr wisst sicherlich, dass noch immer emsig daran gebaut wird und grob geschätzt, sollen die Baumaßnahmen noch bis 2026 andauern. Sicherlich wird die Kathedrale dann in der Zukunft um ein vielfaches beeindruckender sein. Vor allem, wenn endlich die vielen Kräne und Absperrungen verschwunden sind. Und Corona hoffentlich auch….

Ärgerlicherweise hatte ich vorher keinerlei Recherchen betrieben, was eigentlich total untypisch für mich ist und so standen wir etwas bedröppelt vor dem (vielleicht berühmtesten) Wahrzeichen Barcelonas. Sämtliche Tickets für den Tag waren restlos vergriffen. Wir hätten durchaus noch eine Tour machen können, dafür natürlich einen Wucherpreis bezahlt. Ganz schöne Abzocke für Touristen, die nur einen Tag zur Verfügung haben. Also habe ich gleich direkt vor Ort im Internet recherchiert und Eintrittskarten für den nächsten Tag gebucht. Sicher ist sicher, bevor die Karten auch noch vergriffen sind.

Mercat de la Concepcio Barelona

Wie es so ist, entdeckt man beim ziellosen schlendern oftmals sehr spannende Orte. Und so war es auch diesmal der Fall. Als erstes spürten wir den wunderschönen Lebensmittel-Markt Mercat de la Concepcio auf. Es war klar, dass wir uns hier näher umgesehen mussten. Die Vielfalt der Obst- und Gemüsesorten ist einfach gigantisch! So eine Auswahl – vor allem an Obst – würde ich mir auch bei uns wünschen. Uns lief im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser im Mund zusammen und wir haben auch kräftig eingekauft: Oliven, Käse, Säfte, Früchte…zum Glück hatten wir den Kinderwagen dabei, so mussten wir nicht gleich alles wieder zurück ins Hotel schleppen.

Nachdem wir den Markt verlassen hatten recherchierte ich im Internet und entdeckte eine Stierkampfarena ganz in der Nähe. Wir beschlossen sie spontan zu besuchen. Witzigerweise nicht die einzige Stierkampfarena, die wir an diesem Tag besuchten, aber davon später mehr.

A D R E S S E

Mercat de la Concepció
C/ d’Aragó, 313, 317,
08009 Barcelona

Die Stierkampfarena Plaza de Toros Monumental

In Spanien gewesen zu sein und eine Stierkampfarena nicht besucht zu haben wäre schade dachten wir, trotz dass wir entschieden gegen diese blutrünstige Tradition sind. Es fiel mir sofort ein, wie ich mich als junges Mädchen richtig emotional mit einem jungen Spanier gestritten hatte, der vehement diese brutale Tradition verteidigte. Ich hatte kein Verständnis für seine Argumente und er blockte meine ebenso. „…sonst töten die Stiere die Toreros!“, sagte er sichtlich wütend. Was für ein beklopptes Argument von einem, der deutlich älter war als ich (17) dachte ich damals. „Das würde ich auch machen, wenn ich ein Stier wäre und derart gequält werden würde!“, brüllte ich ihm entgegen. Ich weiß noch sehr gut, wie emotional ich gewesen war.

Nun stand ich in solch einer Arena und konnte schwer begreifen, dass hier einst Tausende von begeisterten Menschen gesessen hatten, ihren „Helden“ den Torero zujubelnd, wie dieser in seinen engen Hosen und dem rotem Umhang, die Tiere minutenlang gequält und getötet hat. Unfassbar!

Die Plaza Monumental de Barcelona, von den Einheimischen auch oftmals nur La Monumental genannt, war die letzte Stierkampfarena im kommerziellen Betrieb in Katalonien. Erbaut 1914, unter dem Namen Plaza de El Sport, wurde sie erweitert und seit 1916 unter dem heutigen Namen geführt. Übrigens ist sie die weltweit einzige Arena, die im Jugendstil erbaut wurde. Im Jahre 2011 wurde sie endgültig außer Betrieb genommen, als das katalanische Parlament den Stierkampf verbot. Das Gebäude beherbergt heute ein kleines Stierkampfmuseum. Obwohl das Verbot 2016 tatsächlich aufgehoben wurde(!), wurden seitdem keine weiteren Stierkämpfe in der Arena durchgeführt. Sie bietet eine Kapazität für 19.582 Besuchern, auf den 26 Reihen und in den Tribünen im ersten Stock.

Wenn man das Geländen betritt, ist man zunächst irritiert. Es ist trist und es schaut hier eher aus wie in einem Vorhof einer Fabrik. Vielleicht ist es auch die Mischung aus Alt und den Anbauten aus neuerer Zeit. Die Gänge unterhalb den Tribünen, im äußeren Ring der Arena sind relativ unspektakulär. Dann jedoch blickt man in Richtung der seitlichen Tribüneneingänge und bekommt die strahlend leuchtende Arena im Sonnenlicht zu sehen. Diese Atmosphäre ist zugegeben schon einzigartig.

Schnell fällt auf, das wir abgesehen von einer anderen Familie, zum Zeitpunkt die einzigen Besucher der Arena sind. Später kam noch ein junges Paar, aber das wars auch schon. Scheint bei den Touristen nicht so hoch im Kurs zu stehen. Auf dem gesamten Grundstück kann man sich frei bewegen und alles auf eigene Faust erkunden. Am Beeindruckendsten ist natürlich die gelb-rote Arena. Die Sitzreihen sind recht steil angelegt, dadurch hat man einen wirklich guten Blick auf den gelben Platz unten. Gelb, da der Platz mit Sand ausgestreut ist. Die Farbe ist ein knalliger Kontrast zu den roten Holzbalken, die den Platz komplett umrahmen.

Der Mann ließ es sich nicht entgehen, mitten im Platz einen Freeze hinzulegen…wenn auch nicht ganz so perfekt

Hier unten auf dem Platz zu stehen, auf die vielen Besucherreihen und auf die Tribünen hoch zu blicken, ist durchaus eine Erfahrung für sich. Überrascht waren wir vom Akustikphänomen in der Mitte des Platzes. Selbst kleine Flüstergeräusche erklingen laut und hallen in der gesamten Arena. Und das, obwohl hier keine Kuppel existiert. Allein die runde Form der der Arena und die der Tribünen scheint dafür auszureichen.

Im Anschluss haben wir im angrenzenden Gebäude noch schnell das kleine Stierkampfmuseum besucht. Hier wurde die Begeisterung die man damals den Toreros entgegen gebracht hat erst richtig deutlich. Die Ausstellungsstücke, Plakate, Zeitungsartikel, verschiedene Kostüme, Statuen und ausgestopfte Stierköpfe waren voller Stolz und Verehrung. Irgendwie erzeugte das Ganze kontroverse Gefühle in mir aus. Einerseits faszinierte mich das Design der gut erhaltenen alten Plakate und all die antiken Schriftstücke, doch diese Verherrlichung für eine brutale Tradition fand ich regelrecht abstoßend. Ich lief schnell durch die Räumlichkeiten und war froh wieder draußen zu sein.

Danach ging es wieder zurück ins Hotel. Wir mussten ja noch unsere Einkäufe vom Markt abladen, zudem hatten wir jetzt richtig Kohldampf. Also machten wir uns schnell frisch, gingen einen Happen essen und beschlossen diesmal die andere Seite der Stadt zu erkunden.

A D R E S S E

La Monumental
Gran Via de les Corts Catalanes, 749,
08013 Barcelona

Plaça d’Espanya & Arenas de Barcelona

Los gings zu Fuß an der berühmten Hauptstraße Avinguda del Paral·lel entlang, die als „Broadway der katalanischen Hauptstadt“ gilt. Diesmal in Richtung Westen, vorbei an zahlreichen Läden und an der Fire de Barcelona, dem großen Kongress und Messezentrum von Barcelona. Die Stadt schien endlos zu sein. Dann standen wir plötzlich vor einem ziemlich frequentierten Platz an einem großen Kreisverkehr und entdeckten die zweite Stierkampfarena an diesem Tag: die Las Arenas. Doch sie lässt heute nur noch von Außen erahnen, was sie mal einst gewesen war.

Im Jahre 2003 begannen die Umbauarbeiten der einstigen Stierkampfarena und wurde 2011 wieder eröffnet, umgewandelt in ein Einkaufszentrum. Heute beherbergt die Mall ca. 116 Läden, ein Kino, ein Fitnessstudio, mehrere Restaurants und eine große Panoramaterrasse auf dem Dach. Bevor wir das Einkaufszentrum erkundeten, beschlossen wir zuerst mit dem Außenaufzug nach oben zu fahren um die Aussicht von oben zu genießen. Wenn ich mich richtig erinnere, musste man für die Fahrt mit dem Aufzug bezahlen, ich meine 1 Euro, doch der Mitarbeiter im Aufzug winkte freundlich ab. Wir durften umsonst hoch fahren.

Und es ist wirklich schön hier oben. Der weite Blick über Barcelona lohnt sich. Von hier sieht man z.B. den Berg Tibidabo, auf dessen Spitze sich die Kirche Basilika Sagrad Cor befindet. Und wenn man runter auf den Kreisverkehr blickt, zwischen den zwei roten Türmen, erblickt man den Nationalpalast Palau Nacional, der um einiges jünger ist als er aussieht: 1929 wurde er für die Weltausstellung erbaut.

Wie unfassbar groß und weitläufig diese Stadt doch ist. In der Dunkelheit ist die Atmosphäre hier oben sicherlich um einiges beeindruckender. Die Terrasse kann man im Übrigen vollständig umrunden, runter in die Einkaufspassage Shoppen gehen, oder im Restaurant hier oben einkehren. Solltet ihr nicht verpassen, wenn ihr irgendwann wieder Barcelona besuchen könnt.

A D R E S S E

Arenas de Barcelona
Gran Via de les Corts Catalanes, 373-385,
08015 Barcelona

Ein Strassenfest auf der Carrer de la Creu Coberta besucht

Nach der Besichtigung der Arena, spazierten wir noch ein wenig um den schönen Platz herum und entdeckten direkt nebenan ein kleines Straßenfest auf der Carrer de la Creu Coberta, mit vielen Verkaufsständen und einen Abendflohmarkt. Trotz der späten Uhrzeit wimmelte es hier von Besuchern, untermalt mit Rufen, Gelächter und einheimischer Musik. Eine tolle Atmosphäre, die durch herrlich betörende Essensdüfte gekrönt wurde. Kein Wunder, denn hier gab es an jeder Ecke etwas köstliches zu kaufen. Oft ganz frisch zubereitet, vor den Augen der Besucher.

Wer hätte das gedacht, aber ausgerechnet in Barcelona, entdeckten wir die größten Donuts die wir bisher gesehen hatten. Der Göttergatte musste natürlich gleich probieren wie sie schmecken, vor allem bei dem unschlagbaren Preis von 3 Euro pro Stück. Nun, sie schmeckten deutlich anders als gedacht, aber man konnte sie essen. Natürlich passt bei der Größe das Verhältnis von Schokoguss und Teigmasse nicht so ganz.

Die Ursprünge der Straße Carrer de la Creu Coberta reichen Jahrhunderte zurück und sind Teil einer grausamen Geschichte: Auf dieser Strecke befand sich vom 15. Jahrhundert bis 1715 ein Galgen, an dem hingerichtete Personen hingen. Es muss ein schauriger Anblick für Reisende gewesen sein, die über diesen Weg nach Barcelona kamen. Kein schöner Empfang. Quelle: metropoliabierta.com

Es war richtig schön auf dem Straßenfest im Carrier Creu Cobarta, die im Übrigen zum Stadtteil Hostafrancs gehört. Wir konnten uns mehr in die Kultur hineinfühlen, als durch irgendein Sehenswürdigkeitenbesuch bisher. Alleine schon die Einheimischen Familien zu beobachten, wie sie gemeinsam feierten und aßen, mit den Verkäufern und Besuchern zu reden, in ihrer Mitte zu sitzen und zu essen, gab uns das Gefühl uns wie Zuhause zu fühlen. Ein wirklich schöner Ausklang des Tages.

Dann bis zu nächsten Beitrag. Bleibt gesund, ihr Lieben!

Verfasst von

Hallo, schön dass du hier bist. Hier findest du Freebies von meinen Designs, ein paar Reiseerlebnisse und noch allerlei andere Dinge die mich im Alltag beschäftigen, mich bewegen, begeistern, inspirieren und zum Selbermachen anregen. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei. Würde mich freuen!

5 Kommentare zu „8 TAGE UND 9 NÄCHTE IN BARCELONA // TEIL 3

    1. Hallo Manni, meinst du damit den Urlaub, oder in Urlaubsfotos schwelgen?

      Es geht natürlich momentan vielen so. Wir konnten 2019 ja auch nicht in Urlaub fahren, von daher ist die Sehnsucht bei mir recht groß. Hoffe, das Jahr 2021 bringt uns wieder schönere Zeiten. Liebe Grüße!

      1. Eigentlich beides ! Da bleibt nichts anderes übrig als alte Fotos vom Urlaub mal wieder anzusehen und klar die Urlaubspläne wurden bei vielen auf den Kopf gestellt. So ist es einfach und ich habe das beste daraus gemacht. Urlaub in Kärnten und am Bodensee und somit auf Flugreisen definitiv verzichtet ! LG Manni

  1. So schöne Bilder schon wieder 🙂 Hoffe für uns alle, dass ganz bald ganz neue geknippst werden und diese nicht in Hintertupfingen am Nackar, sondern in fremden Kulturen ***

  2. Barcelona ist eine unglaublich beeindruckende Stadt und du hast uns wieder schöne Ecken mit tollen Fotos gezeigt. Ich schwelge auch gerne hin und wieder in meinen Urlaubserinnerungen und hoffe doch, dass sich die Situation nächstes Jahr im Sommer entspannt. Planen kann ich allerdings momentan nicht und das ist schade. Die Vorfreude auf die Reise war immer besonders schön
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
    LG Andrea

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