Meine Radtour durch Neuseeland // Ein Interview mit Wolfgang H.

Juhuuu ihr Lieben, heute gibt es eine kleine Premiere auf meinem Blog. 🙂
Und zwar habe ich ein tolles Interview für euch. Wenn ihr so wie ich unter einem chronischen Fernwehsyndrom leidet und gerne digital irgendwo in die Ferne abtauchen müsst, dann herzlich Willkommen! Selbstverständlich ist dieser Beitrag auch für alle anderen gedacht.

Premiere deshalb, weil es mein allererstes Interview ist, das ich für meinen Blog geführt habe. Eigentlich wollte ich im Herbst letzten Jahres schon ein Interview-Beitrag mit einer weiteren interessanten Person hier veröffentlichen, sie ist zur Zeit im Ausland unterwegs, aber das Treffen mit ihr ist leider auch im Dezember nicht zustande gekommen. Sehr schade.

Aber nun zu unserem Interview heute: Im Gegensatz zu vielen anderen, die man gewöhnlich auf Blogs so liest, handelt es sich heute um keinen Blogger-Kollegen den ich euch jetzt vorstellen möchte, sondern um einen interessanten Menschen unter uns. Genauer gesagt, um jemandem aus meiner Familie, der sich im Dezember 2015 einen großartigen langjährigen Traum erfüllt hat. Und zwar um meinen Schwager Wolfgang, formally known as Wolfi. 😀

Tatsache ist doch, es gibt so viele interessante Menschen da draußen, die täglich viele interessante Dinge erleben von denen jedoch kaum jemand was erfährt, weil sie eben online gar nicht oder kaum aktiv sind. Da kam mir die Idee einfach mal einen solchen Menschen euch vorzustellen.

Lest aber selbst, was mein Schwager uns von seiner einsamen Radtour durch großartige Landschaften Neuseelands zu berichten hat.


Mit dem Rad durch Neuseeland – Ein langjähriger Traum ging endlich in Erfüllung

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Wolfi in Hobbiton im Auenland / Matamata, Waikato

Wolfi, diese Radtour durch Neuseeland war ja schon länger ein Traum von dir. Erzähle uns, warum du dir das so sehr gewünscht hast.
Durch meine Mutter bin ich schon in früher Kindheit auf den Geschmack fremde Länder und Kulturen zu entdecken, gekommen. Entfernte Länder wie Chile, Kanada oder Neuseeland haben mich schon seitjeher fasziniert. Gerade Neuseeland, welches auch Land of the long white cloud genannt wird, hat durch seine vielfältige und wilde Landschaft unglaublich viel zu bieten und ich mag „Herr der Ringe“ 😉

Wie lange warst du während deiner Tour insgesamt in Neuseeland unterwegs?
Insgesamt war ich 6 Wochen unterwegs. Neuseeland besteht aus 2 Hauptinseln, ist etwas kleiner als Italien, in der länge aber 1600 km lang. Kürzer hätte es nicht sein dürfen, will man von beiden Inseln etwas sehen.

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Rotoura, Bay Of Planty
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In Waitahanui, Lake Taupo

Nach mehr als 30 Stunden Flug nach Neuseeland, warst du sicherlich total fertig von der Anreise? Hast du dir da ein Hotelzimmer genommen um dich auszuruhen, oder hast du deine erste Nacht schon draußen im Zelt verbracht?
Nachdem ich um 7 Uhr morgens von einer 4 Meter großen „Herr Der Ringe“ Statue am Flughafen Auckland empfangen wurde, kam nach 35 Stunden ein letzter Adrenalinstoß. Statt mein Bike und Ausrüstung, welches ich alles in einen Fahrradkarton gestopft hatte, in ein Taxi zu tun, packte ich mein Bike am Flughafen aus und machte mich in die Innenstadt Auckland.

“ Der ungewohnte Linksverkehr

Durch die lange Anreise und den ungewohnten Linksverkehr war ich etwas verwirrt und landete aus Versehen für ein paar Meter auf einem Highway. Unverletzt und ohne überfahren worden zu sein, kam ich bei meinem Hostel in Auckland Down Town an. Natürlich stolz wie Oskar ca. 30 Neuseelanddollars durch das Nichtbenutzen eines Taxis gespart zu haben. Nach einer ausgiebigen Dusche machte ich mich auf in die Stadt und versuchte so den Tag rumzubringen ohne zu schlafen. Das Taxigeld investierte ich am Abend in eine Pizza und ein Glas Wein und schlief danach tief und fest ein.

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Die 4 Meter hohe „Der Herr Der Ringe“- Statue am Flughafen / Auckland

Ich weiß, dass du beinahe jedes Wochenende längere Strecken mit deinem Rad zurücklegst. Hast du dich für diese Reise in irgendeiner Form besonders vorbereitet?
Bezüglich meiner Fitness habe ich mir keine Sorgen gemacht. Die Ausrüstung sowie mein Fahrrad standen hier im Vordergrund. Ich wollte Campen, selber kochen und zeitweise auch mal autark unterwegs sein, daher musste ich auf leichtes und sinnvolles Gepäck achten. Nur bei meiner Matratze machte ich eine Ausnahme, diese war zwar im Gegensatz zum Rest extrem schwer, hat mir aber den besten Schlaf und die lustigsten Träume beschert.

Durch welche Orte hat dich deine Tour geführt?

Der erste Teil meiner Tour führte auf der Nordinsel von Hamilton nach Wanganui.

Mit der Fähre ging es dann direkt von Wananui nach Picton, rüber auf die Südinsel Neuseelands. (Es handelt sich übrigens um die 870 km lange Route an der Westküste. Google zeigt leider eine Alternativroute an, da auf der tatsächlich gefahrenen Strecke aktuell eine Straße gesperrt sein soll).

Und schließlich die letzte Etappe von Walter Peak nach Te Anau.

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Matakitaki River, Longford, Tasman

“ Noch nie gehörte Vogelstimmen weckten mich jeden Morgen

Wie lief ein typischer Tag „On The Road“ so ab? Wie viele km hast du am Tag ungefähr zurückgelegt?
Durch die vielen unterschiedlichen und noch nie gehörten Vogelstimmen, jeden Morgen zwischen 6 – 7 Uhr, wachte man automatisch auf. Zu meinem Müsli gab es dann einen Kaffee oder Tee. Danach musste ich Schlafsack, Isomatte und das Zelt zusammenpacken und anschließend auf meinem Bike wieder ordentlich anbringen. Morgens war es noch kühl und so mussten die schweren Glieder erstmal wieder so langsam in Fahrt kommen. Die Tageskilometer waren ganz unterschiedlich. Kam ich von einer Wanderung zurück oder hat es stark geregnet waren es vielleicht nur 60 km. War ich gut drauf und das Wetter schön, waren aus schon mal über 140 km.

Wie hast du dich unterwegs sonst so versorgt? Warst du eher mit Proviant unterwegs, oder bist du lieber essen gegangen?
Meistens habe ich mich in den Städten mit Proviant eingedeckt, ab und zu ging ich auch mal was essen. Hier und da konnte man auch was unterwegs vom Straßenrand, wie selbstangebautes Gemüse oder an der Küste frischen Fisch kaufen. Das wichtigste war aber immer genügend Wasser dabei zu haben.


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Wie war das mit Körperpflege und saubere Wäsche?
Gott sei dank war ich alleine unterwegs. 😉 Ne quatsch. An den meisten Zeltplätzen gab es Sanitäre Anlagen, Neuseeland ist reich an Flüssen wo man reinspringen kann und die Tasmanische See, die zwar ordentlich kalt war, aber für eine ordentlich Erfrischung gesorgt hat. Legte ich an manchen Orten einen längeren Stop ein, da wurde natürlich Wäsche gewaschen.

“ Das emotionalste war die Ankunft an der Westküste der Südinsel

Du hast sicherlich mehr gesehen und erlebt, als ein gewöhnlicher Tourist. Was war so dein tollstes Erlebnis?
Das Emotionalste war sicherlich die Ankunft an der Westküste der Südinsel. Ich bog um die Ecke und auf einmal war die Tasmanische See vor mir. So wild und schön und ich fuhr mitten drauf zu. Die entgegenkommenden Menschen mussten meine Freude und die glasigen Augen gesehen haben, strahlten, hupten und zeigten mir ihre ausgestreckten Daumen.


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Anita Bay
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Anita Bay, Delfine an der Küste / Tasmansee

Was war deine schlimmste Erfahrung während deiner Reise durch Neuseeland? Was das du in dem Moment gedacht oder gefühlt?
In Neuseeland sind viele Holztrucks unterwegs und wenn diese auf einer einspurigen Straße an dir vorbei pfeifen wird es schon mal ungemütlich. Auch geriet ich auf einer abgeschiedenen Straße vom Weg ab und stürzte. Was mir da hätte passieren können, will ich mir gar nicht ausmahlen.

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Buller Rd, Cape Foulwind, Westküste

“ Bei schlechtem Wetter: Gute Kleidung und „Augen zu und durch“

Wie bist du mit Unwetter klar gekommen? Gab es schon mal brenzlige Momente?Besonders an der Westküste der Südinsel kann es mal zu stärkeren Regenschauern kommen. Hier hilft nur gute Kleidung, Augen zu und durch. Gefährlicher wird es schon mit Windböen. Gefühlt hatte ich einen halben Schrank auf meinem Rad, welcher für den Wind eine perfekte Angriffsfläche bildete. Auch hier, Lenker festhalten und durch. Von wirklichen Unwettern blieb ich zum Glück verschont.


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Wenn du zurückblickst, gibt es eine Strecke die besonders schön war oder besonders beschwerlich?
Die Strecke vom Lake Taupo zum Tongario Nationalpark. Zwar wunderschön wenn du an diesem See Richtung Schneebedeckte Berge dem Mount Doom aus Herr der Ringe entgegenfährst, aber für Radfahrer so exponiert, dass man nach ca. 30 km gegen den Wind einfach fix und fertig ist. Hier hab ich auch mal leise geflucht, aber nur ein mal. Ebenfalls auf der Nordinsel wollte ich den Whanganui River zur Küste hinunter fahren. Von Einheimischen wurde ich schon auf dem Weg dorthin gewarnt, dass die Straße überflutet wurde und gesperrt ist. No risk no fun, dachte ich mir und fuhr bis zum Dorf Pipiriki, welches sich im Flusstal befindet.

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Ben Ohau, Centerbury /Lake Pukaki
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Hot Water Beach, Waikato

“ In der Nacht glaubten wir Kiwis zu hören

Von hier ging das Abenteuer los, aber halb so schlimm wie gedacht. Zwar war die Verwüstung des Flusses noch zu sehen, auch eine Brücke war zerstört, aber dafür war ich in diesem wunderschönen Flusstal komplett alleine. Meinen Zeltplatz erreichte ich bei Dämmerung. Ein nettes Schweizer Pärchen, ebenfalls mit dem Rad unterwegs, hieß mich herzlich willkommen und bot mir Abendessen an. In der Nacht glaubten wir Kiwis zu hören. Diese Nachtaktiven Tiere sind sehr selten und schwer zu finden. Mit einem kurzen Strahl mit der Taschenlampe hab ich dann versucht einen Blick auf eines dieser Tiere zu erhaschen, leider ohne Erfolg.

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Tapawera, Tasman / Südinsel

Hast du dich oft einsam gefühlt? Welche Momente hättest du gerne mit jemandem geteilt?
An Weihnachten hätte ich gerne meine Frau, Familie und Freunde bei mir gehabt. Dummerweise ging mir auch da das Geld aus, keine Kreditkarte funktionierte und ich musste mir von einer Einheimischen Geld leihen, welches ich Ihr dann wieder überwiesen habe.


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Man sagt ja, in der Einsamkeit meint man sich manche Dinge einzubilden. Kannst du das bestätigen? Hattest du eine unheimliche oder unerklärliche Erfahrung machen dürfen, die du gerne mit uns teilen möchtest?
Eine Erfahrung alla Akte X hatte ich nicht. Klar hat man im Zelt schon mal merkwürdige Geräusche gehört, aber in Neuseeland gibt es keine gefährlichen oder giftige Tiere und vor einem Kiwi muss man sich nicht fürchten. Wie Anfangs erwähnt hatte ich die besten und lustigsten Träume in Neuseeland. Mit Daniel Craig hab ich mich zu einem Boxkampf verabredet und mit Joko und Klaas habe ich gerangelt. Das war so witzig das ich in meinen kleinen Zelt vor lachen aufgewacht bin.

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Gillespies Beach, Westland Tau Poutini National Park
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Paparoa, Nationalpark

Gibt es eine weitere Traumroute von dir? Oder welche größere Tour würdest du gerne als nächstes in Angriff nehmen, wenn du könntest?
Das Gegenstück zu Neuseeland wäre Patagonien. Aber gerne auch erstmal klein und die Fjorde von Norwegen entdecken oder endlich eine Alpenüberquerung.

“ Mit wenig Fantasie wird man von einer Gruppe wilden Orks verfolgt

Welche Orte in Neuseeland waren besonders schön? Bzw. wohin möchtest du irgendwann gerne wieder zurück und vielleicht etwas mehr Zeit dort verbringen?
Die Strände von Hot Water Beach an der Nordinsel, sowie der Tongario Nationalpark. Einige Szenen in Herr der Ringe wurden hier gedreht und mit ein wenig Fantasie kam es einem fast so vor als ob man von einer wilden Horde Orks verfolgt wird. Rotoua, wurde auf einem Vulkan gebaut, überall stinkt es nach Schwefel und blubbert es aus Betonrissen. Auch war es wunderschön Fairlight und Mark wieder zu sehen. Beide lernte ich vor 15 Jahren auf der Kao San Road in Bangkok kennen und durfte 3 Tage bei ihnen in Wellington bleiben. Wellington ist für mich die schönste Stadt Neuseelands, nicht nur weil ich AC/CD live in Konzert gesehen habe. Und natürlich Hobbinton bei Matamata, wo einem automatisch große behaarte Füße wachsen und man gerne ein Bierchen im „Green Dragon“ mit Gandalf trinken würde.

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Die Südinsel ist mit seinen Alpen, Gletschern und den Fjorden viel wilder. Viele Wanderstrecken gibt es hier noch zu entdecken. Ein besonderer Ort war ein Zeltplatz an der Westküste zu Füßen des Franz Josef Gletscher. Mit einem Bier am Strand vorbei schwimmende Delfine beobachten und hinter sich die Gletscher sehen.

Völlig surreal und photogeshopt. Und natürlich der Lake Tekapo, mit seiner Sternenwarte weil es keine Lichtverschmutzung gibt, sowie Lake Pukaki mit dem höchsten Berg Mount Cook an dessen Ende. Auch Christchurch hat seinen Charme. Obwohl die Stadt durch 2 aufeinander folgende Erdbeben zu einem großen Teil zerstört wurde, ist es schön zu sehen, wie die Menschen versuchen das Beste daraus zu machen.

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Christ Church Cathedral / Südinsel – Christchurch

Wie sah deine Grundausrüstung aus? Du musstest ja sicherlich noch ein paar wichtige Dinge mehr im Gepäck führen, als Kleidung und Schuhe. Sicherlich auch Werkzeuge und sonstige Ausrüstung. Kannst du da einen Shop empfehlen?
Was jeder braucht, hängt natürlich von den Bedürfnissen jedes einzelnen ab. Ich habe mich vorab in den verschiedensten Büchern und Foren über die klimatischen Verhältnisse schlau gemacht und so nach und nach meine Ausrüstung zusammengestellt. Durch meine vergangenen Outdoor-Aktivitäten war der Teil der Neuanschaffungen recht gering.

“ Das wichtigste ist fast ein gutes Mückenspray

Welche Gegenstände haben sich als besonders nützlich herausgestellt? Und welche hast du vermisst bzw. hättest du gerne mit im Gepäck gehabt?
Natürlich meine Matratze. 😉 Leider musste ich bei meinem Zelt ein paar Abstriche machen. Hier hätte es sich ausgezahlt ein paar Gramm mehr mitzuschleppen und dafür ein stabileres Zelt zu haben. Ansonsten war ich (fast) wunschlos glücklich. Das wichtigste ist fast ein gutes Mückenspray. Besonders auf der Südinsel kommen extrem viele „Sandflies“ nach der Dämmerung aus ihren Verstecken, und beißen einem Gefühlt ein großes Stück Haut vom Körper. Aber mit Spray, einer langen Kleidung und etwas rumgefuchtel mit den Armen, meistert man auch so jeden Abend.

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Te Wahipounamu, Kinloch, in der Nähe von Queenstown

Welche Formalitäten waren dafür nötig um dein Rad mit rüber zu nehmen. Gibt es irgendwelche Vorschriften die man beachten müsste? Gab es irgendwelche Hürden oder Probleme?
Insgesamt durfte ich 35 kg als Reisegepäck mitnehmen. Mein Bike Karton hatte die richtige Größe und alles passte rein. Den Rest nahm ich als Handgepäck mit. Ansonsten sollte man nur darauf achten, das z.B. die Reifen, Wanderschuhe aber auch die Heringe vom Zelt, frei von Erde sind. Am Flughafen wird hier besonders darauf geachtet. Ein eingeführtes Samenkorn am Wanderschuh könnte für Neuseeland eine kleine Katastrophe bedeuten!

Wo hast du dich vorher darüber informiert? Welche Quellen kannst du empfehlen, die sehr hilfreich waren?
Für die besten Campingplätze sollte man sich die App vom Campermate New Zealand aufs Smartphone runterladen. Für die Great Walks und andere Wanderstrecken empfiehlt sich die App von New Zealand’s Great Walks (für Android).

Die “Great Walks” sind vom DOC (Departement of Conservation – Neuseelands Naturschutzbund) ausgewählte und ausgebaute Wanderwege, die durch die atemberaubendsten Regionen Neuseelands führen! Hier muss man z.T. auch früh buchen. Den klassischen Reiseführer von Lonely Planet hatte ich auf meinem Kindlebook dabei. Die besten Tipps und Tricks erhält man aber vor Ort von Einheimischen oder anderen Radreisenden.

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Pipiriki, Wanawatu- Wanganui / Nordinsel

“ Beim nächsten Mal würde ich mein Mountainbike mitnehmen

Welche Ausstattung sollte ein Rad für solch eine längere Tour mitbringen? Kannst du einen bestimmten Typ/Fabrikat empfehlen?
Es gibt eine große Auswahl an Fahrrädern. Es sollte natürlich stabil sein und Aufnahmemöglichkeiten für Seitentaschen haben. Spezielle Naben oder ähnliches sind im Falle eines Defektes nicht immer schnell zu besorgen, daher würde ich eher Standard Anbauteile von Shimano empfehlen.

Auch sollte man wissen, welches Streckenprofil man fahren will. Wie vorhin erwähnt würde ich beim nächsten Mal mein Mountainbike mitnehmen. Ansonsten sollte man natürlich Licht am Rad haben und Schutzbleche. Ich hatte ein Reiserad von Cannondale, weil die Wartezeit für ein Rad der Firma Tout Terrain leider zu lang war. Viele bevorzugen Stahl da es stabiler ist und leichter geschweißt werden kann. Ich hatte mit meinem Alurennrad überhaupt keine Probleme, nicht mal einen Platten.

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In Erua, Manawatu – Wanganui / Nordinsel

Was würdest du rückblickend heute anders machen oder planen?
Ich war mit einem Reiserad unterwegs, ähnlich wie ein Rennrad. Also schmale Reifen und auch eine große Übersetzung, also eher schwere Gänge für flache, schnelle Strecken und weniger leichte Gänge für steile Anstiege. Ich hätte gerne mehr abseits der Straßen die Landschaft erkundet und das geht nur mit einem Mountainbike. Nächstes mal würde ich mit meinem Mountainbike und einem Anhänger auf Tour gehen. Man ist flexibler, kann den Anhänger auch mal stehen lassen und sich mit dem Mountainbike auf Trailsuche begeben. Auch würde ich gerne zu zweit diese wunderschöne Landschaft durchradeln. Hat sich damals zu dem Zeitpunkt leider nicht ergeben.

“ Die Neuseeländer sind ein offenes und herzliches Volk

Was hast du persönlich von der Reise mitgenommen? Menschlich, psychisch, was hat dich diese Reise gelehrt?
Es gibt noch so viel zu entdecken, was man leider nicht alles schaffen kann. Daher sollte man unendlich glücklich sein mit dem was man erleben darf. Die Neuseeländer waren ein sehr offenes und herzliches Volk. Aber gerade diese Abgeschiedenheit ist für viele, vor allem Jugendliche nicht so einfach, zeigt sich leider in einer hohen Selbstmordrate bei Jugendlichen. Für unsereins der exotischste Ort, für andere der einsamste. Ansonsten war es nicht meine erste Reise, sodass ich der gleiche geblieben bin, mit etwas mehr Bräune und ordentlichen Beinmuskeln.


Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen und ich konnte euch für ein paar Minuten nach Neuseeland entführen. Also mir ging es jedenfalls so. Und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir wünsche 2018 viel mehr so interessante Interviews führen zu dürfen. Das wäre großartig!  🙂

Habt ihr noch irgendwelche speziellen Fragen an Wolfi? Kein Problem. Ihr könnt eure Fragen auch gerne im Kommentar stellen. Er wird sie bestimmt gerne beantworten. Natürlich geht es auch per Mail an mich. Ich leite sie selbstverständlich weiter.

Wünsche euch was! Bis zum nächsten Mal,
Signatur_frzuckerbroetchen

 

Verfasst von

Hallo, schön dass du hier bist. Hier findest du Freebies von meinen Designs, ein paar Reiseerlebnisse und noch allerlei andere Dinge die mich im Alltag beschäftigen, mich bewegen, begeistern, inspirieren und zum Selbermachen anregen. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei. Würde mich freuen!

8 Kommentare zu „Meine Radtour durch Neuseeland // Ein Interview mit Wolfgang H.

  1. also ein sehr sehr interessanter Beitrag über eine ungewöhnliche Unternehmung und es gehört schon eine ordentlich Mut dazu diese Tour alleine durchzuführen. Herrliche Fotos sind natürlich dabei ich kann mir vorstellen dass man unendlich viele Fotos macht . Eine Erfahrung die fürs Leben hält und die man niemals vergessen wird, aber auch daraus lernt für evtl. neue Unternehmungen der gleichen Art ! Ich kann ihm nur gratulieren zum Erfolg und wünsche alles Gute !!!

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    1. Vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast den Beitrag zu lesen! 😀
      Ja, diese Erfahrung ist wirklich unbezahlbar. Ich bewundere ebenfalls seinen Mut. Zum Glück ist ihm nichts schlimmes passiert, denn das wäre, wovor ich mich am meisten fürchten würde an der ganzen Sache. Dabei meine ich jetzt nicht mal die Sache mit Überfallen werden oder so, sondern einen bösen Sturz…und dann ist keiner da der helfen könnte…

      Wolfi freut sich bestimmt über deinen Kommentar. Vielen Dank für deinen Besuch.

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

      1. wie schon geschrieben ich bewundere soviel Mut und zieh den Hut !!!! Macht man bei solch einem Unternehmen eine besondere Auslandskrankenversicherung ect. ?? Schlimm ist es natürlich wenn man eine Verletzung hat und niemand kann helfen oder wenigstens Hilfe holen ! Es ist ja alles gut gegangen und nun zehrt man sein Leben lang an solch einem Abenteuer ! LG Manni

        Gefällt 1 Person

  2. Wusste nicht, dass mein Mann so toll schreiben kann…schön darüber so zu lesen. Das verleiht dem schon gehörten viel mehr Tiefe. Ja, er hat auch meinen Respekt!
    Toller Blog, danke Schwesterchen…

    Gefällt 1 Person

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